Inhalte und Ziele

Das eintägige Seminar zum Thema „Ideologien der Ungleichwertigkeit: Antisemitismus“ wurde im Rahmen des Projektes Entrechtung als Lebenserfahrung von Leyla Ercan entwickelt und richtet sich an Multiplikator_innen der historisch-politischen Bildungsarbeit. Die im Seminar entwickelten Methoden und Zugängen eignen sich insbesondere auch für die außerschulische und nonformale Bildungsarbeit, da sie sehr anschaulich und direkt an die konkrete Lebenswelt und die alltäglichen Erfahrungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen heute anknüpfen.

Ziel des Seminars ist eine Sensibilisierung für gegenwärtige Formen der Entrechtung und Diskriminierung von gesellschaftlichen Gruppen. Ausgangspunkt der Betrachtungen ist hierbei die Bielefelder Langzeitstudie zur „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“, die Stereotype, Vorurteile und die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer (vermeintlichen) Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlich benachteiligten Gruppen untersucht. Als gemeinsame Ebene von unterschiedlichen Diskriminierungsformen wurden hierbei eine Reihe von Ideologien der Ungleichwertigkeit festgestellt und analysiert, die in der heutigen Gesellschaft weit verbreitet sind: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Abwertung von Obdachlosen, Abwertung von Behinderten, Islamophobie, klassischer Sexismus, Etabliertenvorrechte, Abwertung von Langzeitarbeitslosen (vgl. Wilhelm Heitmeyer (Hg.), Deutsche Zustände, Bd. 1–10, 2002–2011).

Am Beispiel des Antisemitismus und seiner Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte sollen Strukturen, Mechanismen und Kontinuitäten von Ideologien der Ungleichwertigkeit und der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit erarbeitet und diskutiert werden. Das Seminar soll sensibilisieren für Menschenrechtsverletzungen und Formen der Entrechtung gesellschaftlicher Gruppen und den Teilnehmenden vermitteln, dass diese nicht historische Phänomene sind, sondern sich auch vielfach in der Gegenwart zeigen. Die Folgen dieser Ideologien sowie die auf diesen Ideologien gründenden historischen und gegenwärtigen Diskriminierungsformen werden am konkreten Beispiel des Antisemitismus und der Betroffenengruppen der Jüdinnen und Juden erarbeitet und reflektiert.