Biografien

Die Deportationen in die Vernichtungslager bildeten im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Abschluss einer radikalisierten Diskriminierung und Entrechtung. Das Ziel war eine nach rassistischen Kriterien „reine Volksgemeinschaft“. Nur wenige der Verschleppten überlebten den Massenmord.

Die Biografien der Opfer aus Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

Auswahl Biografien: verfolgt als Transport Hannover – Riga 15. Dezember 1941

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Martha Lipmann, geb. Spier

aus
1889 ‐ 1944
Verfolgt als Jüdin

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Der Ehemann von Martha Lippmann, Gustav, wurde bei seinem Tod 1926 als angesehener Kaufmann gewürdigt, der zahlreiche öffentliche Positionen bekleidet hatte. Zehn Jahre später waren die drei Kinder des Ehepaares aus Deutschland geflüchtet. Die Emigration von Martha Lipmann scheiterte einen Monat vor ihrer Deportation. Sie wurde 1944 im KZ Stutthof ermordet.

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Karl Gottschalk

aus
1876 ‐ 1943
Verfolgt als Jude

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Dem Bankier Karl Gottschalk und seiner Frau Lisbeth war nach jahrelangen Bemühungen die Genehmigung erteilt worden, im Oktober 1939 nach Großbritannien auszuwandern. Der Kriegsbeginn machte diese Hoffnung jedoch zunichte. Karl Gottschalk starb 1943 in Riga, Lisbeth Gottschalk 1944 im KZ Stutthof bei Danzig.

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Carla Mindus

aus
1926 ‐ ?
Verfolgt als Jüdin

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Carla Mindus erlebte in der Schule antisemitische Anfeindungen durch die Religionslehrerin. Eine Schulfreundin wurde dadurch stark beeinflusst. Obwohl ihre Eltern nichts gegen die Freundschaft hatten, wollte sie keinen Kontakt mehr zu Carla. Im Alter von 15 Jahren wurde Carla Mindus gemeinsam mit ihrem Vater deportiert. Wann und wo sie starb, ist nicht bekannt.

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Hilde Schneider

aus
1916 ‐ 2008
Verfolgt als Jüdin

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Hilde Schneider (auf dem Foto in der Mitte) war getauft und gläubige Christin. Nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen galt sie jedoch wegen ihrer Abstammung als Jüdin. So konnte sie nicht ihren Traum eines Medizinstudiums verwirklichen. Sie überlebte die Deportation schwerkrank und geschwächt. Später studierte sie Theologie und wurde Gefängnispastorin.

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Ernst Cohnheim

aus
1921 ‐ 1945
Verfolgt als Jude

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Ernst Cohnheim starb nicht direkt nach der Deportation. Stattdessen durchlief er mehrere Lager und musste Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Im März 1945 brachte die SS ihn in das völlig überfüllte KZ Bergen-Belsen, in dem zu diesem Zeitpunkt längst katastrophale Bedingungen herrschten. Dort starb er Ende März oder Anfang April 1945.

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Günther Fleischel

aus
1903 ‐ 1943
Verfolgt als Jude

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Günther Fleischel gehörte als Nationalkonservativer in der Weimarer Republik zum rechten politischen Spektrum. Er gehörte dem Stahlhelm, der SA und dem NSKK an. Aber nach den Nürnberger Rassegesetzen war er nicht „deutschblütig“: seine jüdischen Eltern hatten sich taufen lassen. Plötzlich galt der verheiratete Fleischel als „Rasseschänder“. Er musste eine Haftstrafe verbüßen und wurde kurz nach der Freilassung deportiert. Er starb 1943 im Ghetto Riga an Magenkrebs.

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Heinz Samuel

aus
1908 ‐ 1942
Verfolgt als Jude

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Die Eltern von Heinz Samuel besaßen eine gutgehende Fleischerei in dem Dorf Hagen, wo jeder jeden kannte. Im Zeichen des erstarkenden Antisemitismus rissen jedoch langjährige persönliche und geschäftliche Kontakte ab. Schließlich stand die Familie ganz alleine da und sah sich 1937 gezwungen, das Geschäft zu verkaufen und nach Hannover zu ziehen. Heinz Samuel wurde Anfang 1942 im Lager Salaspils bei Riga ermordet.

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Frieda Kleeberg, geb. Weißenklee

aus
1871 ‐ ?
Verfolgt als Jüdin

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Zwei der drei Kinder von Frieda und Hermann Kleeberg konnten sich vor der Verfolgung ins Ausland retten. Die Eltern mussten ihre Fleischerei in Boffzen aufgeben und zogen zu ihrem Sohn nach Hannover. Im Alter von 70 Jahren wurde Frieda Kleeberg gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Riga deportiert. Wann und wo sie starben, ist unbekannt. Ihr Sohn Erich starb 1945 als Häftling des KZ Neuengamme im Lager Sandbostel.

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Josef Mindus

aus
1886 ‐ ?
Verfolgt als Jude

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Josef Mindus besaß ein eigenes Textilgeschäft in Helmstedt. Doch der Bürgermeister Curt Drechsler tat alles, um seine Existenz zu vernichten. Bis zur Reichspogromnacht 1938 konnte Josef Mindus dagegen noch Widerstand leisten. Danach ging es jedoch ganz schnell: das Geschäft wurde geschlossen, das Haus zwangsweise verkauft, Josef Mindus wurde zeitweise im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach der Deportation verliert sich seine Spur: Zeitpunkt und Ort seines Todes sind nicht bekannt.

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Claus Becher

aus
1926 ‐ 2008
Verfolgt als Jude

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Claus Becher musste schon im Alter von zehn Jahren als Laufbursche arbeiten, um seine Mutter zu unterstützen. Nach dem Tod des Vaters 1936 war die Familie durch Enteignungen der Nationalsozialisten mittellos geworden. Claus hat als einziger aus seiner Familie den Holocaust überlebt und ging nach dem Krieg in die USA.

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