Tagung

Lernen mit Sachquellen in Gedenkstätten und Museen

Foto: Jesco Denzel, Berlin

Eine interdisziplinäre Tagung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten (Celle) in Kooperation mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung (Wolfenbüttel) und der Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e.V. (Berlin)

Die Vermittlung von Geschichtsbewusstsein im Sinne einer kritischen und quellengestützten Auseinandersetzung mit der Geschichte ist unbestreitbar ein grundlegendes Ziel der Geschichtsdidaktik. Eine wichtige Rolle spielen dabei der schulischen Unterricht, die universitäre Ausbildung, ebenso aber auch Museen sowie Gedenk- und Dokumentationsstätten an historischen Orten.

Letztere schreiben den Sachquellen – Originalobjekten, Denkmalen, Gebäuden oder Relikten – eine herausragende Rolle in der Vermittlungsarbeit zu. Doch braucht man diese originalen Objekte wirklich? Bietet das Lernen in Museen und Gedenkstätten (vor allem solchen an historischen Orten) gegenüber anderen Formen der Geschichtsaneignung (Unterricht, Filme, Bücher, Internet, Theater, Kunst, transgenerationeller Dialog etc.) wirklich einen Mehrwert? Inwieweit hilft das Lernen anhand und mit Sachquellen überhaupt bei der Entwicklung eines kritischen Geschichtsbewusstseins?

Diese Fragen bilden den Hintergrund einer Tagung zum Thema „Lernen mit Sachquellen“, die Gedenkstättenmitarbeitende mit Expert_innen aus dem Bereich der Museumskunde und -pädagogik, der Geschichtswissenschaft, der Archäologie und der Kognitionswissenschaft zusammenführen soll.

Ganz bewusst sollen mit dieser Begegnung die beiden Sphären der Gedenkstätten und der (historischen) Museen zusammengeführt werden – insbesondere vor dem Hintergrund, dass beide Organisationen zumeist wenig miteinander in Dialog treten und das Potenzial der Möglichkeiten, von den jeweiligen Erfahrungen zu profitieren, noch längst nicht ausgeschöpft ist.

Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Leider sind alle Plätze vergeben.

Programm (pdf)

Programm (Stand November 2017):

Montag, 20. November 2017:

ab 11.30 Uhr Ankunft und Anmeldung

ab 12 Uhr Mittagsimbiss

13 Uhr
Begrüßung und Tagungseinführung
Dr. Jens-Christian Wagner (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle)
Ingolf Seidel (Agentur für Bildung – Geschichte, Politik und Medien e.V., Berlin)
Dr. Andreas Grünewald Steiger (Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbüttel)

13.30 – 15:30 Uhr
Impulse: Sachbestimmungen
Moderation: Dr. Jens-Christian Wagner (Celle)

Dr. Thorsten Heese (Felix-Nussbaum-Haus / Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück): Brauchen Museen künftig noch Objekte? Ja, unbedingt!

Dr. Andrea Hauser (Kultur und Transfer, Bremen): Sachquellen als Bedeutungsträger. Überlegungen zur Ambivalenz ihrer Nutzung

Prof. Dr. Dietmar von Reeken (Universität Oldenburg): Geschichte lernen mit Objekten? Sachquellen im Unterricht

Rückfragen und Diskussion

15.30 Uhr Pause

16.00 – 19.00 Uhr
PANEL 1: Vielfalt der Sachquellen
Moderation: Dr. Katrin Pieper (Die Exponauten, Berlin)

Felicitas Klingler (Universität Göttingen): „Die sind, wie man sieht, auch mit einem Holzschwert zufrieden.“ Museumspädagogische Vermittlung jenseits des historischen Originalobjekts?

Prof. Dr. Nicola Brauch und Prof. Dr. Christof Berns (Universität Bochum): Vom Material zum Medium historischer Wissensvermittlung: Die archäologische Milet-Forschung als Ausgangspunkt interkulturellen historischen Lernens

Rückfragen und Diskussion

17.30 Uhr Pause

17.45 Uhr
Prof. Dr. Sebastian Barsch und Dr. Jens Rönnau (Universität Kiel): Geschichte(n) erzählen: Subjektorientiertes historisches Lernen an Gedenkstätten am Beispiel des Flandern-Bunkers in Kiel

Katja Anders (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen): „Ist das noch original?“ Bauliche Relikte in der historischen Bildung am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen

Rückfragen und Diskussion

19 Uhr Abendessen und Get-Together

Dienstag, 21. November 2017:

9.00 – 12:30 Uhr
PANEL 2: Sachquellen ausstellen
Moderation: Dr. Andreas Grünewald Steiger (Wolfenbüttel)

Cornelia Siebeck (Berlin): „…eine schlüssige Aufeinanderfolge von historisch wichtigen Anlagen und Bauten“? Nachdenken über den musealen und pädagogischen Umgang mit Dingen in KZ-Gedenkstätten

Dr. Alexander Schmidt (Museen der Stadt Nürnberg – Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände): NS-Geschichte ausstellen – mit Objekten oder ohne sie? Zur Diskussion um Objekte in NS-Dokumentationszentren

11 Uhr Pause

11.15 Uhr
Udo Andraschke (Universität Erlangen-Nürnberg): Schule im Nationalsozialismus. Kritische Reflexion einer Ausstellung mit Lernlabor

Martina Staats und Cornelia Schmidthals (Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel): Die Großobjekte Hinrichtungsstätte und Haftzellen im Ausstellungs- und Bildungskonzept einer Justizgedenkstätte

Rückfragen und Diskussion

12.30 Uhr Mittagsimbiss

14.00 – 18.00 Uhr
PANEL 3: Zwischen Nähe und Distanz – Mit Sachquellen arbeiten

Moderation: Katrin Unger (Gedenkstätte Bergen-Belsen)
Einführung ins Thema und parallele Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe 1:
Moderation: Sabine Bergmann (Gedenkstätte Bergen-Belsen) und Christian Wolpers (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle)

Marianne Hilke (Landschaftsverband Rheinland – Archäologischer Park Xanten / Römermuseum): „Geschichte zum Anfassen“ – Originale im Zugriff der Museumsgäste – Benefit, Tücken und Fallstricke |

Klaus Tätzler und Stephanie Billib (Gedenkstätte Bergen-Belsen): Sachquellen in der Sammlung der Gedenkstätte Bergen-Belsen und die Tablet-Application

Prof. Dr. Andrea Becher (Universität Paderborn) und Victoria Evers (Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne): Antons Schuhe – Mit (Grund-)Schulkindern auf Spurensuche in der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne

Arbeitsgruppe 2:
Moderation: Monika Brockhaus und Daniel Tonn (Gedenkstätte Bergen-Belsen)

Sarah Grandke (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg): Geschichte zum Anfassen – Ein Ansatz zur Umsetzung von Barrierefreiheit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Jennifer Farber und Andrea Nepomuck (Akademie Vogelsang IP | NS-Dokumentation Vogelsang): „Eierbecher, Burg und nackte Kerle“ – den Erinnerungsort Vogelsang IP „lesen lernen“

Dr. Letha Böhringer (Rheinisches Bildarchiv Stadt Köln): Gedenkstätten und Erinnerungsorte im Stadtraum – Führungen für Studierende

Arbeitsgruppe 3:
Moderation: Marc Ellinghaus und Nicola Schlichting (Gedenkstätte Bergen-Belsen)

Steffen Jost (Max Mannheimer Haus Dachau): „Ich bin ein Baum“: Verhandlungen des Materiellen in gedenkstättenpädagogischen Mehrtagesprogrammen

Dr. Andrea Brait (Universität Innsbruck): Landesgeschichte in Objekten. Vermittlungsprogramme von österreichischen Landesmuseen im Vergleich

Alice Junge, Prof. Dr. Bettina Lindmeier und Prof. Dr. Claudia Schomaker (Universität Hannover): Gedenkstätten als inklusive Lernorte? Erfahrungen aus dem Studienprojekt „Geschichte erleben – Menschen mit Behinderungen in der NS-Zeit. Gemeinsame Seminare für Menschen mit Behinderungen und Studierende“

dazwischen 15.30 Uhr Pause

17 Uhr Zusammenführung der Arbeitsgruppen, Rückfragen und Diskussion

18 Uhr Abendessen

19:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Sind Gedenkstätten museumsreif?
mehr Information


Mittwoch, 22. November 2017:

9.00 – 11:20 Uhr
PANEL 4: Wirkung von Sachquellen
Moderation: Ingolf Seidel, Berlin

Prof. Dr. Stephan Schwan, Melissa Gussmann und Dr. Martin Merkt (Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Tübingen): Wirkung authentischer Orte auf die Wahrnehmung von Bildmaterialien

Rahel Clormann und Bastian Schlang (Universität Würzburg): Kompetenzentwicklung und räumliches Lernen in historischen Ausstellungen

Hannah Röttele (Universität Göttingen): „Mit Sinnen und Affekten beteiligt“. Vom besonderen Potenzial der Objektbegegnung und seinen Grenzen für die Aneignung von Geschichte

Tobias Hebel (Dreiländermuseum Lörrach): Ausstellungsmodi von Alltagsdingen in ausgewählten Museen Berlins

Rückfragen und Diskussion

11.20 Uhr Pause

11.45 – 12.30 Uhr
Resümee und Ausblick: Museen und Gedenkstätten im Dialog
Anka Bolduan (Vorsitzende des Bremer Frauenmuseum e.V., freiberufliche Museumsberaterin, Bremen) und
Gottfried Kößler (Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt)

12.30 Uhr Mittagsimbiss und Ende der Tagung

13.30 bis ca. 17 Uhr
Möglichkeit zum Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen und Teilnahme an thematischen Führungen:
13.30 Uhr Abfahrt Bus an der CD-Kaserne / Parkplatz
14.00 – ca. 16.00 Uhr:
– Führung 1 mit Dr. Thomas Rahe: Führung durch die Dauerausstellung
– Führung 2 mit Marc Ellinghaus: Gedenkstättenrundgang mit dem multimedialen Geländeguide
ca. 16.45 Uhr Ankunft Bus am Bahnhof Celle
ca. 17.00 Uhr Ankunft Bus an der CD-Kaserne Celle

 

Kosten: Die Tagungsgebühr einschließlich Mittag- und Abendessen (ohne Unterkunft und Frühstück) beträgt 60,– Euro, ermäßigt 30,– Euro für Studierende und Arbeitssuchende.

Teilnahme / Anmeldung: Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Falls mehr Anmeldungen eingehen, als Plätze vorhanden sind, vergeben wir die Teilnahme nach Datum des Gebühreneingangs. Bitte nutzen Sie das Anmeldeformular und senden dieses bis 1. November 2017 per Post, E-Mail oder Fax an unten stehende Adresse. Sie erhalten dann eine Anmeldebestätigung per E-Mail zusammen mit einer Rechnung für die Tagungsgebühr.

Unterkunft: Ein Unterkunftsverzeichnis bietet die Tourist Information Celle

Tagungsbüro in der CD-Kaserne während der Tagung
Sabine Thubauville, Tel.: 01522-4740677

Tagungskonzept: Juliane Hummel, Martina Staats, Katrin Unger, Dr. Jens-Christian Wagner, Christian Wolpers (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten)

Mitdiskutieren auf Twitter #sachquellen2017 und Facebook

Kontakt:
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Im Güldenen Winkel 8
29223 Celle
T 05141 – 933 55 – 0
F 05141 – 9335533
bildungsportal@stiftung-ng.de

Die Tagung wird gefördert mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

 

Fundstücke in der Ausstelllung der Gedenkstätte Buchenwald

Fundstücke in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Buchenwald

Fotos: Jesco Denzel, Berlin (oben), SnG (unten)