Historischer Ort

Die Firma Wolff & Co. aus Walsrode begann im Sommer 1939 mit dem Bau eines ausgedehnten Rüstungskomplexes in unmittelbarer Nähe der Ortschaften Liebenau und Steyerberg (Landkreis Nienburg/Weser). Im Auftrag des Oberkommandos des Heeres (OKH) entstand auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern die Pulverfabrik Liebenau. Knapp 400 einzelne Produktionsgebäude verband man durch ein Netz von 84 Kilometern Straßen und 42 Kilometern Schienen. An der Peripherie des Werksgeländes kamen acht Lagerkomplexe aus Stein- oder Holzbauten hinzu. Ab 1941 produzierte die von Wolff & Co. gegründete Tochterfirma „Eibia“ über 41.000 Tonnen unterschiedlichster Pulversorten zur Beschleunigung von Geschossen. Im Werk wurden während des Zweiten Weltkrieges ca. 20 000 Fremd- und Zwangsarbeiter_innen aus den verschiedensten europäischen Nationen eingesetzt. Sowjetische Kriegsgefangene, die Häftlinge des  „Arbeitserziehungslagers Liebenau“ und osteuropäische Zwangsarbeiter_innen mussten diese Arbeiten unter besonders schweren Lebensumständen verrichten. Weit über 2000 Frauen, Männer und Jugendliche starben an Mangelerkrankungen, Hunger und Schlägen sowie durch Erschießungen und Hinrichtungen.
Gebäude 9388 – eines von 400 Produktionsgebäuden der Pulverfabrik Liebenau. Foto: Martin Guse, Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V.

Gebäude 9388 – eines von 400 Produktionsgebäuden der Pulverfabrik Liebenau.
Foto: Martin Guse, Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V.