Bildungsangebote

Die „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg bietet in ihrer Dauerausstellung einen Überblick über die verschiedenen „Euthanasie“-Maßnahmen und die NS-Psychiatrie in Lüneburg und in Niedersachsen. In entleihbaren Sonderausstellungen werden einzelne Themen vertieft. Derzeit gibt es die Sonderausstellungen „Den Opfern ein Gesicht, den Namen wieder geben“ mit über zwölf Lebensgeschichten von Kindern, die 1942 aufgrund ihrer Behinderung in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg ermordet wurden, sowie die Kunstausstellung „Bildfreiheiten – Künstler in der NS-Psychiatrie“ über die Künstler Paul Goesch und Gustav Sievers mit Repliken ihrer Werke. Des Weiteren unterhält die Gedenkstätte eine ebenfalls entleihbare MOBILE LERNSTATION mit Bildungsmaterialien (20 Workshops und 20 didaktisch aufbereitete Biografien) für Schülerinnen und Schüler der Grund-, Förder-, Haupt-, Real-, Ober-, Gesamt- und Berufsschulen sowie Gymnasien zum Thema Kinderrechte, Menschenrechte für Menschen mit Behinderung, Inklusion, Entrechtung von Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen, „Euthanasie“-Maßnahmen – auch in leichter und kindgerechter Sprache.

 

Formate und Zielgruppen 

Besuche von Gruppen sind im Rahmen einer betreuten ein- bis zweistündigen Führung durch die Gedenkstätte, über das Gelände und zur Gedenkanlage auf dem Friedhof Nordwest in Lüneburg möglich. Des Weiteren bietet die Bildungs- und Gedenkstätte Lüneburg ein- bis dreitägige Seminare (die Lüneburger Inklusionsschulung) an, in denen Menschenrechte, Entrechtungserfahrungen heute und die Geschichte von Menschen mit Behinderungen im Zentrum stehen. Teilnehmende befassen sich in bis zu 20 Workshops handlungsorientiert und vertiefend mit dem Wandel von Krankheit und Behinderung, mit Wertewandel, mit Kinder- und Menschenrechten, mit einzelnen Themen und Lebensgeschichten der NS-Psychiatrie (verantwortliche Ärzte und Pfleger, Zwangssterilisierte, erwachsene Opfer der „Aktion T4“, Opfer der Kinder- und Jugendlichen-„Euthanasie“). In den Seminaren erforschen Teilnehmende selbst anhand von Quellen und Zeugnissen die Lebensgeschichten. In Rollenspielen, Zukunftswerkstätten und mit kreativen Methoden werden gegenwärtige Themen wie beispielsweise Organhandel, psychiatrische Diagnostik, assistierter Suizid, Pränataldiagnostik, inklusive Kita und inklusive Schule mit der zeitgeschichtlichen Ebene verknüpft. Zielgruppen der Seminare sind Multiplikator_innen, Auszubildende aus der Pflege und Pädagogik, Mitarbeiter_innen aus Pflege, Medizin, Psychiatrie, Behindertenarbeit und Pädagogik. Zielgruppen der Materialien sind alle Menschen mit und ohne Behinderung ab 9 Jahre.

In Seminaren erforschen Teilnehmende anhand von Dokumenten und  historischen Fotos die Biographien. 2014. Foto: Archiv der Bildungs- und Gedenkstätte "Opfer der NS-Psychiatrie" Lüneburg

In Seminaren erforschen Teilnehmende anhand von Dokumenten und historischen Fotos die Biografien. 2014, Foto: Archiv der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg

Lehrkräfte haben in Fortbildungen die Möglichkeit, alle Workshops und die Materialien für den Einsatz im Unterricht kennenzulernen und können sie im Anschluss kostenfrei entleihen. Ab 2015 können Interessierte zudem mit Hilfe eines Audio-Guides historische Orte im Stadtgebiet Lüneburgs erkunden, die mit der lokalen „Euthanasie“-Vergangenheit in Verbindung stehen. Aus der Perspektive von drei Protagonisten lernen die Zuhörer_innen in einfacher Sprache an sechs Stationen in der Stadt drei Lebensgeschichten in einfacher Sprache kennen, sehen die dazugehörigen historischen und gegenwärtigen Orte und erfahren Hintergründe der Lüneburger Psychiatriegeschichte. Einzelbesucher_innen können die Gedenkstätte an jedem dritten Samstag im Monat von 11-14 Uhr besuchen. Alle Angebote sind eintritts- und gebührenfrei. Spenden sind willkommen.