Historischer Ort

Unweit der Stadt Oldenburg liegt die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Wehnen (heute: Karl-Jaspers-Klinik). Dort starben während des Nationalsozialismus mehr als 1500 Patientinnen und Patienten an Unterernährung, Vernachlässigung und fehlender medizinischer Versorgung.

Das Hungersterben in Wehnen ging auf eine radikale Sparpolitik des Oldenburgischen Innenministeriums zurück. Um die Kosten für die „Geisteskrankenfürsorge“ zu senken, nahm die Verwaltung Einsparungen bei Lebensmitteln und Heizmaterial vor. Ebenso wurde am Personal gespart. Hinzu kam ab 1936 eine systematische Überbelegung der Anstalt.

Überbelegung und Unterversorgung führten zu extrem schlechten hygienischen Bedingungen und zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Zahl der Toten in Wehnen stieg stetig an. Die geschwächten und ausgehungerten Patientinnen und Patienten starben an Tuberkulose, Typhus oder ganz unspezifisch an allgemeinem körperlichem Verfall. Um der wachsenden Zahl an Toten Herr zu werden, musste der Anstaltsfriedhof mehrfach erweitert werden.

Trotz der großen Zahl an Toten setzte sich nach 1945 die Auffassung durch, dass die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen an der NS-„Euthanasie“ nicht beteiligt gewesen sei.

Blick in den ehemaligen Sezierraum, 2014. Foto: Hedwig Thelen, Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen

Blick in den ehemaligen Sezierraum, 2014. Foto: Hedwig Thelen, Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen