Bildungsangebote

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel ist neben der Gedenkstätte in der JVA Brandenburg-Görden die einzige Gedenkstätte zum Themenkomplex „Justiz und Nationalsozialismus“, die innerhalb einer bis heute genutzten Justizvollzugsanstalt besteht. Die konkurrierenden Realitäten unterschiedlicher politischer und justizieller Ordnungen in Vergangenheit und Gegenwart sind ein wesentlicher Ausgangspunkt der Bildungsarbeit vor Ort.

Am historischen Ort eines Strafgefängnisses und einer Hinrichtungsstätte hat sich die Gedenkstätte zu einem zentralen außerschulischen Lernort mit spezifischen Bildungsangeboten zur Auseinandersetzung mit der NS-Justiz entwickelt. Das Angebot der Gedenkstätte umfasst Führungen, Seminartage sowie mehrtägige Projekte, die sich u. a. aus folgenden Elementen zusammen setzen können:

  • Führung in der ehemaligen Hinrichtungsstätte
  • Führung und selbstständiges Arbeiten in der Dauerausstellung zu „Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus“
  • Besuch eines nahegelegenen Friedhofs
  • Gespräch mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der JVA zum Justizvollzug heute

 

Themenschwerpunkte der Seminartage in Auswahl:

  • Recht und Unrecht im Zweiten Weltkrieg
  • Handlungsalternativen im Unrechtsstaat
  • Jugendliche vor Gericht
  • Deserteure der Wehrmacht und die Justiz
  • Verfolgung des europäischen Widerstands
  • Deutsche Juristen – Karrieren vor und nach 1945
  • Fritz Bauer und sein Kampf um das Recht
  • Erinnerungskultur nach 1945

Regelmäßig werden Lehrer_innenfortbildungen zu den im Kerncurriculum genannten Themen angeboten, die als Fortbildungsveranstaltungen anerkannt sind.

Das dreiteilige Modul „ZeitWechsel“ beschäftigt sich in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel und dem Braunschweiger Historiker Markus Gröchtemeier mit der Pogromnacht am 9. November 1938. Neben dem Besuch der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel können Schüler_innen hierbei im Landesarchiv mit Hilfe von Haftbüchern und anderen Akten Biografien erarbeiten und auf einem Stadtrundgang vertiefen.

Modul "ZeitWechsel", Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums Wolfenbüttel recherchieren im Landesarchiv Wolfenbüttel, 12. November 2014. Foto: Stefan Wilbricht, Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Modul „ZeitWechsel“, Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums Wolfenbüttel recherchieren im Landesarchiv Wolfenbüttel, 12. November 2014.
Foto: Stefan Wilbricht, Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Grundlage des Bildungskonzeptes der Gedenkstätte ist die Ermöglichung eines eigenständigen, strukturierten, aufgaben- und projektorientierten forschenden Lernens mit Hilfe von flexiblen und kreativen Lernimpulsen.

Hierbei werden die divergierenden Interessen ihrer sehr heterogenen Besuchergruppen berücksichtigt: Schulklassen, Seminare von Universitäten, Erwachsenengruppen aus dem In- und Ausland, Fachbesucher aus dem Bereich von Justiz und Recht sowie Polizei und Justizvollzug und andere Multiplikatorengruppen.

Gern unterstützt die Gedenkstätte Anfragen nach Kooperationen in der Erwachsenenbildung mit Unternehmen und Betrieben hinsichtlich gemeinsamer Workshops und Seminaren.

Angebote an Einzelbesucher_innen sind zurzeit jedoch nur in Ausnahme und nach Absprache möglich.