Bertha Gröschler

aus
1890 ‐ 1942

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Bertha Gröschler (links) mit ihrer Schwester Erna, ca. 1914. (Sammlung Hartmut Peters, Wilhelmshaven)

Bertha Gröschler wurde am 27. September 1890 in Jever (heute: Landkreis Friesland) geboren. Sie lebte zunächst im väterlichen Haushalt in der Albanistraße, zuletzt wohnte sie am Mooshütterweg 8. Sie wird in den Melderegistern als „Haustochter“, also ohne erlernten oder ausgeübten Beruf, geführt und blieb unverheiratet. Ihre Mutter starb 1931, ihr Vater im März 1938. Bertha lebte von da an in dem privat betriebenen jüdischen Altenheim in der Schüttingstraße 13 in Varel. Die Unterbringung im jüdischen Altenheim hing offenbar mit erheblichen psychischen Beeinträchtigungen zusammen, die sie am Erlernen oder der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit gehindert hatten und eine fortlaufende Betreuung erforderlich machten. Sie lebte von den Bezügen einer von ihrem Vater testamentarisch verfügten lebenslangen Rente.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der die Synagoge in Varel zerstört wurde, verschleppten Greiftrupps der SA aus Varel Bertha Gröschler und die übrigen Bewohnerinnen und Bewohner des jüdischen Altenheimes in das Polizeigefängnis Varel, wo sie in „Schutzhaft“ genommen wurde. Am Nachmittag des 10. November 1938 entließ man sie wieder in das Heim.

Am 22. Oktober 1941 brachte die Staatspolizeileitstelle Wilhelmshaven Bertha Gröschler mit fünf weiteren Bewohnerinnen und Bewohnern des Altenheimes zunächst nach Emden (Ostfriesland). Am 23. Oktober 1941 erfolgte die Deportation über Berlin in das Ghetto Litzmannstadt (heute: Łódź in Polen), gemeinsam mit 121 weiteren jüdischen Personen aus Emden.

Nach der Deportation im Oktober 1941 wurde das im Altenheim verbliebene Hab und Gut der Opfer auf einer öffentlich angekündigten Auktion am 5. November 1941 in der Gaststätte „Deutsches Haus“ auf dem Neumarkt von Varel versteigert. Mehrere hundert Bürger waren zugegen.

Bertha Gröschler lebte im Ghetto Litzmannstadt zunächst in drangvoller Enge in einer „Sammelunterkunft“ in der Hertastraße 25. Ab dem 22. Dezember 1941 war sie im sogenannten „Greisenheim II“ in der Gnesener Straße 26 untergebracht. Dort starb sie in Folge der Lebensbedingungen am 29. März 1942 im Alter von nur 51 Jahren.

Ihre Halbbrüder Hermann und Julius, die ebenfalls Opfer des Holocaust wurden, sind Namensgeber des „GröschlerHauses – Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland / Wilhelmshaven“ in Jever.

In Varel erinnert seit Januar 2016 eine Gedenktafel an das jüdische Altenheim und das Schicksal seiner Bewohner, darunter Bertha Gröschler. Ihr Name findet sich seit 1996 auch auf dem Mahnmal für die ermordeten Juden in Jever.

Registrierblatt für Bertha Gröschler über die „Schutzhaft“ in der Pogromnacht im November 1938 im Polizeigefängnis Varel.(Niedersächsisches Landesarchiv Standort Oldenburg. Bestand 231-3, Nr. 224)

Registrierblatt für Bertha Gröschler über die „Schutzhaft“ in der Pogromnacht im November 1938 im Polizeigefängnis Varel. (Niedersächsisches Landesarchiv Standort Oldenburg. Bestand 231-3, Nr. 224. Das Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs darf diese Abbildung nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden.)

 

Mitteilung des Finanzamtes Emden über die „Einziehung von Judenvermögen“ nach dem Tod von Bertha Gröschler (BADV, Rückerstattungsarchiv, Bestand OFD Hannover, O 5608 - R I / 652 - V 432, S. 3)

Mitteilung des Finanzamtes Emden über die „Einziehung von Judenvermögen“ nach dem Tod von Bertha Gröschler
(BADV, Rückerstattungsarchiv, Bestand OFD Hannover, O 5608 – R I / 652 – V 432, S. 3)

 

Mehr Informationen:
Gröschlerhaus – Zentrum für Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland / Wilhelmshaven: Varel: Das jüdische Altenheim 1941/42: Abtransport zur Ermordung

Nordwest-Zeitung (NWZ), 21.10.2016:
Angeordneter Abschied ohne Wiederkehr. Sechs Vareler Juden am 22. Oktober 1941 deportiert – Vorher in Schüttingstraße 13 gewohnt


Holger Frerichs, Schlossmuseum Jever, GröschlerHaus Jever

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