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Georg Frank

aus
1906 ‐ 1943
Verfolgt als Sinto

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Georg und Frieda Frank bei einer artistischen Übung, ca. 1938 (Familienarchiv Franz)

Das zuvor im Westpreußischen lebende Ehepaar Georg und Grete Frank, geb. Franz kam 1935 mit seinen Kindern Frieda, Ella, Hans und Herbert nach Ostfriesland. Die Töchter Anna und Angela wurden 1935 und 1938 in Leer bzw. Burlage bei Leer geboren. Zur katholischen Familie gehörten auch die Kinder Margot (geb. 1924 in Berlin, gest. 2002 in Oldenburg) und Anton Franz (geb. 1927 in Wildenbruch, gest. 1992 in Münster) aus der ersten Beziehung der Mutter. In den Meldekarteien wird Georg Frank als „Schausteller“ und „Artist“ bezeichnet, ein Zirkuszelt existierte jedoch nicht, die Manege wurde im Freien eingerichtet. Im Sommer ging die Familie von Leer aus auf Tournee in die Umgebung und handelte auch mit Kurzwaren. Im Dezember 1938 zog sie zusammen mit weiteren Sinti vom Stellplatz in der Heisfelder Straße in nach Wilhelmshaven, Stellplatz Schützenhof.

Kurz nach Kriegsbeginn im September 1939 erfolgte ein weiterer Umzug in den nahegelegenen ländlichen Ort Zetel im Landkreis Friesland, weil die Marinestadt Wilhelmshaven Angriffen englischer Bomber ausgesetzt war. Hier erreichte sie im Oktober 1939 das Reiseverbot des „Festsetzungserlasses“. Georg Frank arbeitete nun in einer Kiesgrube, seine Frau in einer Gärtnerei, der Sohn Anton bei einem Bauern und die Tochter Margot in einer Schuhfabrik im benachbarten Varel. Die schulpflichtigen Kinder besuchten die Grundschule. Die Familie wohnte in zwei Wohnwagen, die auf dem Hofgelände eines Landwirts im Ortsteil Bohlenberge an der Horster Straße (heute Nr. 39) standen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt zog die Wehrmacht Georg Frank zum Kriegsdienst ein.

In der Folge des „Auschwitz-Erlasses“ vom 16. Dezember 1942 verhaftete die Polizei am 8. März 1943 in Zetel-Bohlenberge Grete Frank und ihre sechs Kinder Frieda, Ella, Hans, Otto, Ursula und Angela im Alter zwischen dreizehn und vier Jahren, sowie in Varel die 19jährige Tochter Margot. Der 16jährige Anton befand sich in Strafhaft und wurde dadurch erst einige Zeit später nach Auschwitz verschleppt. Die Polizei brachte die acht Familienmitglieder zum Sammelpunkt für die Sinti aus Nordwestdeutschland, dem „Schlachthof“-Gelände in Bremen, wo die Deportationswaggons zusammengestellt wurden. In Bremen stießen sie auf den Familienvater Georg Frank, der kurz zuvor aus der Wehrmacht entlassen worden war. Es wurde ihnen gesagt, dass sie im Osten Europas angesiedelt werden würden.

Die Viehwaggons mit den Deportierten verließen Bremen frühmorgens über das Gleis des ehemaligen Auswandererbahnhofs, ganz in der Nähe vom heutigen Gleis 10 des Bremer Hauptbahnhofs und waren zum Teil an planmäßige Züge angekoppelt. Die erste der insgesamt drei Deportationen begann am 9. März, die letzte erreichte Auschwitz am 14. März 1943. Die Familie lebte anschließend im sogenannten „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz-Birkenau, in das die Nationalsozialisten rund 22.600 Sinti und Roma aus Deutschland und Österreich verschleppten.

Hier begann das Sterben der Familie Frank. Die knapp fünfjährige Angela Frank überlebte ihre Ankunft in Auschwitz nur um wenige Tage. Sie starb am 28. März 1943, nach den offiziellen Angaben an einer schweren Mandelentzündung. Der Tod der Mutter wird für den 18. Juni 1943 verzeichnet, als Ursache angegeben ist „Nierenentzündung“. Nach Aussage der Tochter Margot wurde sie jedoch von der SS zu Tode geprügelt, weil sie es wegen Krankheit nicht zum Appellplatz schaffte. Der Vater starb am 19. Oktober 1943. Die Todesdaten der Kinder Frieda, Ella, Hans, Herbert und Ursula sind unbekannt.

Die Gemeinde Zetel lehnt seit mehreren Jahren die Errichtung eines Mahnmals für ihre ermordeten ehemaligen Mitbürger ab.

Georg, Frieda und Ella Frank bei einer artistischen Übung, ca. 1938 (Familienarchiv Frank)

Georg, Frieda und Ella Frank bei einer artistischen Übung, ca. 1938 (Familienarchiv Franz)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Link:

Zetel: Die in Auschwitz ermordete Sinti-Familie Frank

Literatur:
Hans Hesse, Jens Schreiber: Vom Schlachthof nach Auschwitz: Die NS-Verfolgung der Sinti und Roma aus Bremen, Bremerhaven und Nordwestdeutschland, Marburg 1999 (insbes. S. 266ff., S. 286ff.).


Hartmut Peters, GröschlerHaus Jever

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