Biografien

Die Deportationen im Herbst 1941 sind der Auftakt zur endgültigen Vernichtung der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich. Kaum einer der Verschleppten überlebte den Holocaust.

Die Biographien der Opfer aus ganz Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Entrechtung einst angesehener Bürgerinnen und Bürger. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

Lucie Baden, geb. Joseph, verw. Behr

aus
1887 ‐ ?

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Die Schwiegereltern von Lucie Behr hatten 1852 in Lüneburg das Schuhhaus Behr gegründet. Lucie, die am 19. Juni 1887 in Stettin geboren wurde, war verheiratet mit Max Behr, der das Geschäft übernommen hatte. Die Eheleute bekamen drei Kinder: Ruth, Arnold und Elisabeth. Max Behr verstarb 1924, seiner Frau Lucie vererbte er das Haus und das […]

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Ernst Cohnheim

aus
1921 ‐ 1945

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Ernst Cohnheim starb nicht direkt nach der Deportation. Stattdessen durchlief er mehrere Lager und musste Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Im März 1945 brachte die SS ihn in das völlig überfüllte KZ Bergen-Belsen, in dem zu diesem Zeitpunkt längst katastrophale Bedingungen herrschten. Dort starb er Ende März oder Anfang April 1945.

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Henny Cohen

aus
1905 ‐ ?

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Henny Cohen war begeisterte Turnerin im Verein „Gut Heil“. Sie arbeitete im Textilkaufhaus ihres Vaters, das 1935 aufgrund der Boykottmaßnahmen in Konkurs ging. Im Jahr 1941 wohnte sie mit ihren Eltern bei einer anderen jüdischen Familie zur Untermiete. Wann und wo sie starb, ist nicht bekannt.

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Günther Fleischel

aus
1903 ‐ 1943

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Günther Fleischel gehörte als Nationalkonservativer in der Weimarer Republik zum rechten politischen Spektrum. Er gehörte dem Stahlhelm, der SA und dem NSKK an. Aber nach den Nürnberger Rassegesetzen war er nicht „deutschblütig“: seine jüdischen Eltern hatten sich taufen lassen. Plötzlich galt der verheiratete Fleischel als „Rasseschänder“. Er musste eine Haftstrafe verbüßen und wurde kurz nach der Freilassung deportiert. Er starb 1943 im Ghetto Riga an Magenkrebs.

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Heinz Samuel

aus
1908 ‐ 1942

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Die Eltern von Heinz Samuel besaßen eine gutgehende Fleischerei in dem Dorf Hagen, wo jeder jeden kannte. Im Zeichen des erstarkenden Antisemitismus rissen jedoch langjährige persönliche und geschäftliche Kontakte ab. Schließlich stand die Familie ganz alleine da und sah sich 1937 gezwungen, das Geschäft zu verkaufen und nach Hannover zu ziehen. Heinz Samuel wurde Anfang 1942 im Lager Salaspils bei Riga ermordet.

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Frieda Kleeberg, geb. Weißenklee

aus
1871 ‐ ?

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Zwei der drei Kinder von Frieda und Hermann Kleeberg konnten sich vor der Verfolgung ins Ausland retten. Die Eltern mussten ihre Fleischerei in Boffzen aufgeben und zogen zu ihrem Sohn nach Hannover. Im Alter von 70 Jahren wurde Frieda Kleeberg gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Riga deportiert. Wann und wo sie starben, ist unbekannt. Ihr Sohn Erich starb 1945 als Häftling des KZ Neuengamme im Lager Sandbostel.

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Josef Mindus

aus
1886 ‐ ?

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Josef Mindus besaß ein eigenes Textilgeschäft in Helmstedt. Doch der Bürgermeister Curt Drechsler tat alles, um seine Existenz zu vernichten. Bis zur Reichspogromnacht 1938 konnte Josef Mindus dagegen noch Widerstand leisten. Danach ging es jedoch ganz schnell: das Geschäft wurde geschlossen, das Haus zwangsweise verkauft, Josef Mindus wurde zeitweise im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach der Deportation verliert sich seine Spur: Zeitpunkt und Ort seines Todes sind nicht bekannt.

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Johanna Philipson, geb. Marcks

aus
1875 ‐ 1942

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Nach der Reichspogromnacht mussten Johanna Philipsohn und ihr Mann Louis ihr Antiquitätengeschäft in Emden aufgeben. Daher lebten sie zuletzt in einem Altenheim. Von dort wurden sie über Emden in das Ghetto Litzmannstadt (heute: Łódź in Polen) deportiert. Johanna Philipson wurde am 12. Mai 1942 im Vernichtungslager Kulmhof (heute: Chełmno in Polen) ermordet.

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Claus Becher

aus
1926 ‐ 2008

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Claus Becher musste schon im Alter von zehn Jahren als Laufbursche arbeiten, um seine Mutter zu unterstützen. Nach dem Tod des Vaters 1936 war die Familie durch Enteignungen der Nationalsozialisten mittellos geworden. Claus hat als einziger aus seiner Familie den Holocaust überlebt und ging nach dem Krieg in die USA.

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Henny Markiewicz-Simon, geb. Rosenbaum

aus
1925 ‐ 2017

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Henny Rosenbaums Vater wurde gezwungen, alleine nach Shanghai zu emigrieren. Ihr Bruder fiel den „Euthanasie“-Morden zum Opfer. Ihre Mutter wurde in Lettland erschossen. Henny Rosenbaum erlebte im Alter von 20 Jahren nach einem Todesmarsch die Befreiung. Heute lebt sie in den USA.

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