Biografien

Die Deportationen in die Vernichtungslager bildeten im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Abschluss einer radikalisierten Diskriminierung und Entrechtung. Das Ziel war eine nach rassistischen Kriterien „reine Volksgemeinschaft“. Nur wenige der Verschleppten überlebten den Massenmord.

Die Biografien der Opfer aus Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

Verfolgt als

Karl Gottschalk

aus
1876 ‐ 1943
Verfolgt als Jude

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Dem Bankier Karl Gottschalk und seiner Frau Lisbeth war nach jahrelangen Bemühungen die Genehmigung erteilt worden, im Oktober 1939 nach Großbritannien auszuwandern. Der Kriegsbeginn machte diese Hoffnung jedoch zunichte. Karl Gottschalk starb 1943 in Riga, Lisbeth Gottschalk 1944 im KZ Stutthof bei Danzig.

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Heinrich Buck

aus
1876 ‐ ?
Verfolgt als Jude

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Heinrich Buck war fünf Jahre im Strafgefängnis Wolfenbüttel inhaftiert, weil er homosexuell war. Anschließend sollte er in ein Konzentrationslager überführt werden. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er jedoch in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in seiner Heimatstadt Hamburg eingeliefert, um ihn am 6. Dezember 1941 nach Riga deportieren zu können. Wann und wo er starb, ist nicht bekannt.

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Carla Mindus

aus
1926 ‐ ?
Verfolgt als Jüdin

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Carla Mindus erlebte in der Schule antisemitische Anfeindungen durch die Religionslehrerin. Eine Schulfreundin wurde dadurch stark beeinflusst. Obwohl ihre Eltern nichts gegen die Freundschaft hatten, wollte sie keinen Kontakt mehr zu Carla. Im Alter von 15 Jahren wurde Carla Mindus gemeinsam mit ihrem Vater deportiert. Wann und wo sie starb, ist nicht bekannt.

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Bertha Gröschler

aus
1890 ‐ 1942
Verfolgt als Jüdin

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Bertha Gröschler lebte seit 1938 im jüdischen Altenheim in Varel, weil sie aus psychischen Gründen berufsunfähig war. Im Oktober 1941 brachten Beamte der Staatspolizeistelle Wilhelmshaven sie und fünf weitere Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheims zunächst nach Emden. Von dort wurden sie über Berlin in das Ghetto Litzmannstadt (heute: Łódź in Polen) deportiert. Am 29. März 1942 starb sie im „Greisenheim II“ des Ghettos infolge der dort herrschenden Lebensbedingungen.

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Hans Leo Brumsack

aus
1915 ‐ ?
Verfolgt als Jude

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Der Kaufmann Hans Leo Brumsack ist nicht aus Deutschland emigriert, weil er seine krebskranke Mutter pflegen wollte. Sie starb im September 1941. Zwei Monate später wurde er nach Minsk deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.

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Adolf Leo Philippsohn

aus
1899 ‐ ?
Verfolgt als Jude

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Adolf Leo Philippsohn war 42 Jahre alt, als er mit seiner Frau Irmgard und der 13jährigen Tochter Anna Luise mit Rucksäcken am 17. November 1941 auf dem Deich zur Schwebefähre über die Oste ging, um zum Bahnhof in Basbeck zu gelangen. Von dort mussten sie nach Bremen fahren zum Sammelplatz für den Transport nach Hamburg und von dort nach Minsk. Die kleine Familie hatte sich am Vorabend noch von ihren Freunden verabschiedet. Wann und wo Adolf Leo Philippsohn, seine Frau und seine Tochter starben, ist nicht bekannt.

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Frieda Lieblich

aus
1886 ‐ 1942
Verfolgt als Jüdin

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Frieda Lieblich kümmerte sich seit 1940 um ihren minderjährigen Neffen, weil es nach dem Tod der Großeltern keine weiteren Verwandten in Osnabrück gab. Gemeinsam wurden die beiden erst in ein „Judenhaus“ umgesiedelt und dann nach Riga deportiert. Dort wurde Frieda Lieblich 1942 ermordet. Ihr Neffe Ewald Aul überlebte, kehrte in seine Heimatstadt zurück und war dort lange Vorsteher der wiederbegründeten Jüdischen Gemeinde.

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Hilde Schneider

aus
1916 ‐ 2008
Verfolgt als Jüdin

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Hilde Schneider (auf dem Foto in der Mitte) war getauft und gläubige Christin. Nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen galt sie jedoch wegen ihrer Abstammung als Jüdin. So konnte sie nicht ihren Traum eines Medizinstudiums verwirklichen. Sie überlebte die Deportation schwerkrank und geschwächt. Später studierte sie Theologie und wurde Gefängnispastorin.

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Hermann Feingersch

aus
1927 ‐ ?
Verfolgt als Jude

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Hermann Feingersch war erst 14 Jahre alt, als er gemeinsam mit seinen Eltern deportiert wurde. Daher ist über ihn nur wenig bekannt. Er hatte neun Geschwister und stammte aus einer Familie sogenannter „Ostjuden“. Mit 13 Jahren war er ein knappes halbes Jahr lang landwirtschaftlicher Schüler der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem. Er wurde gemeinsam mit seinen Eltern deportiert. Wann und wo er starb, ist nicht bekannt.

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Lucie Baden, geb. Joseph, verw. Behr

aus
1887 ‐ ?
Verfolgt als Jüdin

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Die Schwiegereltern von Lucie Behr hatten 1852 in Lüneburg das Schuhhaus Behr gegründet. Lucie, die am 19. Juni 1887 in Stettin geboren wurde, war verheiratet mit Max Behr, der das Geschäft übernommen hatte. Die Eheleute bekamen drei Kinder: Ruth, Arnold und Elisabeth. Max Behr verstarb 1924, seiner Frau Lucie vererbte er das Haus und das […]

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