Inhalte und Ziele

 

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel wird zurzeit grundlegend umgestaltet und erweitert. Dabei wird das ehemalige Hinrichtungsgebäude als Gedenkort und Großexponat auf den Grundriss vor 1945 zurückgeführt. Zudem entsteht im Bereich der alten Dauerausstellung ein multimedialer Lernraum, in dem Schwerpunktthemen wie die Rolle der Justiz, der Strafvollzug und die Todesstrafe im Nationalsozialismus vertieft werden. Ein Neubau, angrenzend an die Justizvollzugsanstalt, ermöglicht ab 2018 Einzelbesuchern, die Ausstellung ohne vorherige Anmeldung zu besuchen.

Die neue Dauerausstellung thematisiert Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus. Im Fokus stehen das Verfolgungssystem des Nationalsozialismus, das verbrecherische Wirken der Justiz, die Inhaftierung von in- und ausländischen Gefangenengruppen sowie die Funktion Wolfenbüttels als eine der zentralen Hinrichtungsstätten in Norddeutschland. Im Zentrum der Ausstellung werden Menschen stehen, die aus sozialen und rassistischen Gründen in Wolfenbüttel inhaftiert und vielfach auch hingerichtet wurden. In den Blick geraten dabei zudem die Handlungsspielräume von Verantwortlichen in Justiz und Strafvollzug. Denn im Gesamtprozess von Unterdrückung und Vernichtung während des Krieges, sowohl innerhalb des Deutschen Reiches als auch als Bestandteil der Besatzungspolitik, spielte die zunehmende Selbstmobilisierung der Justiz eine besonders wichtige Rolle. Mit dieser Darstellung soll nicht zuletzt die europäische Bedeutung der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel deutlich werden. Eine Erweiterung des zeitlichen Horizonts auf die Zeiträume vor 1933 und nach 1945 arbeitet Kontinuitäten und Diskontinuitäten von Justiz und Strafvollzug heraus. Die Frage nach dem Umgang mit den Verbrechen der NS-Justiz in der Bundesrepublik Deutschland ist ein weiteres Thema der Ausstellung.

Projekt Neugestaltung GWF_Inhalte+Ziele

Bauzeichnungen und Grundrisse zur Umgestaltung des ehemaligen Hinrichtungsgebäudes. Fotograf: Stefan Wilbricht, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, 28. September 2015

 

Das zu entwickelnde Bildungskonzept verbindet die neue Dauerausstellung mit den historischen Orten und dem multimedialen Lernraum. Lernimpulse unterstützen eigenständiges, aufgabenorientiertes und forschendes Lernen, um den unterschiedlichen Interessen von Besucher_innen zu entsprechen.