Biografien

Die Deportationen in die Vernichtungslager bildeten im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Abschluss einer radikalisierten Diskriminierung und Entrechtung. Das Ziel war eine nach rassistischen Kriterien „reine Volksgemeinschaft“. Nur wenige der Verschleppten überlebten den Massenmord.

Die Biografien der Opfer aus Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

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Auswahl Biografien: Osnabrück

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Heinrich Winter

aus
1891 ‐ 1943
Verfolgt als Sinto

Über Heinrich Winter ist wie bei vielen Sinti nicht viel bekannt. Er war von Beruf Händler, arbeitete aber auch als Fahrer und Schausteller. Zeitweise lebte er in Holland, wo er auch heiratete. Aufgrund des sogenannten Festsetzungserlasses des Reichssicherheitshauptamtes wurde die Familie 1942 in die Barackensiedlung „Papenhütte“ am Stadtrand von Osnabrück umgesiedelt.
Heinrich Winter überlebte die Deportation nach Auschwitz nur um wenige Monate. Er starb dort im Dezember 1943.

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Anna Schmidt

aus
1906 ‐ 1943
Verfolgt als Sintizza

Anna Schmidt hatte mit ihrem Mann Johann Weiß drei Kinder. Doch eine standesamtliche Heirat wurde ihnen aus „rassischen Gründen“ verweigert. Die Familie wurde gemeinsam nach Auschwitz deportiert. Dort starb Anna Schmidt nach kurzer Zeit an Fleckfieber. Auch alle drei Kinder kamen dort um. Nur Johann Weiß überlebte den Krieg. Er war von Auschwitz nach Buchenwald gebracht worden.

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Maria Imker, geb. Christin

aus
1907 ‐ 1944
Verfolgt als Sintizza

Maria Imker mit ihren Töchtern Gertrud und Adelheid (Privatbesitz)

Am 1. März 1943 wurden die Osnabrücker Sinti verhaftet und deportiert. Maria Imker konnte zunächst entkommen. Ihr siebenjähriger Sohn Arthur lag zu dieser Zeit im Marienhospital und als die Verschleppungen begannen, war sie beim ihm am Krankenbett. Doch der Aufschub währte nur kurz: drei oder vier Tage später wurde auch sie nach Auschwitz deportiert. Dort starben Maria, ihr Mann Wilhelm und die Kinder Gertrud, Adelheid und Konstantin. Nur Arthur blieb in Osnabrück zurück und überlebte.

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Karl Weiß

aus
1885 ‐ 1943
Verfolgt als Sinto

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Karl Weiß war Besitzer von zwei Mehrfamilienhäusern in Osnabrück. Damit gehörte er zu den vermögendsten Sinti der Stadt. Nach seiner Deportation erfasste die Kriminalpolizei Osnabrück die Sachwerte, die er zurücklassen musste. Der Gesamtwert betrug 11.650 RM und damit ungefähr das Fünffache eines damaligen durchschnittlichen Jahreslohns.
Karl Weiß wurde am 1. März 1943 im Alter von 57 Jahren nach Auschwitz deportiert. Dort starb er bereits am 3. Mai.

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Frieda Lieblich

aus
1886 ‐ 1942
Verfolgt als Jüdin

frieda-lieblich-web

Frieda Lieblich kümmerte sich seit 1940 um ihren minderjährigen Neffen, weil es nach dem Tod der Großeltern keine weiteren Verwandten in Osnabrück gab. Gemeinsam wurden die beiden erst in ein „Judenhaus“ umgesiedelt und dann nach Riga deportiert. Dort wurde Frieda Lieblich 1942 ermordet. Ihr Neffe Ewald Aul überlebte, kehrte in seine Heimatstadt zurück und war dort lange Vorsteher der wiederbegründeten Jüdischen Gemeinde.

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Adolf Löwenstein

aus
1880 ‐ ?
Verfolgt als Jude

Adolf Löwenstein musste im März 1939 mit seiner Mutter und zwei Schwestern in ein „Judenhaus“ in Osnabrück ziehen. Es ist nicht bekannt, wann und wo er nach der Deportation verstorben ist. Seine Mutter und die Schwestern wurden im Juli 1942 verschleppt und starben in Theresienstadt und Auschwitz. Adolfs Bruder Ernst war zwar von Inhaftierung und Zwangsarbeit betroffen, konnte aber überleben. Dabei spielte vermutlich eine Rolle, dass er mit einer Christin verheiratet war.

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Rosalie Grünberg

aus
1896 ‐ ?
Verfolgt als Jüdin

Rosalie Grünberg arbeitete in Osnabrück als Buchhalterin. Während es ihrem Bruder im Dezember 1938 gelungen war, nach Shanghai zu emigrieren, musste sie im September 1941 in das „Judenhaus“ in der Seminarstraße 31 ziehen. Wann und wo sie im Anschluss an die Deportation nach Riga gestorben ist, ist nicht bekannt.

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Anna Pelz

aus
1883 ‐ 1942
Verfolgt als Jüdin

anna-pelz

Anna Pelz war die Tochter des angesehenen Arztes Dr. Siegfried Pelz, dem nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Ehrenbürgerschaft aberkannt wurde. Anna Pelz wurde am 12. Dezember 1941 von drei Gestapobeamten zur Turnhalle der Schule am Pottgraben gebracht, die als Sammelstelle für die Deportationen diente. Einen Tag später erfolgte der Transport nach Riga. Dort wurde sie Anfang des Jahres 1942 ermordet.

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