Vortrag

Raub und Restitution jüdischen Eigentums in der Region Hannover

Vortrag von Dr. Anton Weise

Der Raub jüdischen Eigentums durch das Deutsche Reich begann spätestens mit dem Steueranpassungsgesetz vom Oktober 1934. Er radikalisierte sich in den folgenden Jahren parallel zur Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung der deutschen und europäischen Juden. Während mit dem Steuer- und Devisenrecht und der Reichsfluchtsteuer noch ursprünglich rechtsstaatliche Mittel der Fiskalpolitik zu Beraubungsinstrumenten umgewandelt wurden und nicht ausschließlich Juden trafen, ging das NS-Regime mit der Enteignung der ins Ausland flüchtenden Juden und der Judenvermögensabgabe immer stärker zum offenen Raub jüdischen Eigentums über.

In seiner höchsten Radikalität zeigt sich dieser Beraubungsprozess schließlich ab 1941 mit dem Raub der Vermögen der Juden, die in den Osten des NS-Machtbereiches deportiert wurden und die dort der Tod erwartete. Die Vermögen dieser NS-Opfer wurden von der Finanzverwaltung zu Gunsten des Reichshaushaltes verwertet, in Hannover waren dafür insbesondere der Oberfinanzpräsident und das Finanzamt Hannover-Waterlooplatz zuständig, und dienten so der Finanzierung des NS-Regimes. Auch wenn es bis zum Ende des NS-Regimes keine vollständige, pauschale Enteignung aller deutschen Juden gab, war deren Beraubung doch umfassend und die Verwertung der Vermögen so radikal durchgeführt worden, dass sich die Restitution sehr schwierig gestaltete.

Dr. Anton Weise ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover im Bereich der neueren und neuesten Regionalgeschichte. Im Jahr 2015 wurde er mit seiner Dissertation „Nach dem Raub. Die Vermögensverwertungsstelle beim OFP Hannover 1941-1950“ promoviert.
Zur Zeit forscht er zur Geschichte jüdischer Unternehmerpersönlichkeiten in Hannover von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Weimarer Republik. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören neben der Geschichte des Nationalsozialismus in Hannover weiterhin die Sportgeschichte sowie die dis/ability history.

Ort: Gedenkstätte Ahlem, Heisterbergallee 10, 30453 Hannover

Veranstalter: Region Hannover, Gedenkstätte Ahlem