Exkursion Projektpräsentation Thematische Führung

Regionale Gedenkorte für Kriegsgefangene

Busexkursion zu den Kriegsgefangenenfriedhöfen Bergen-Belsen (Hörsten), Fallingbostel-Oerbke und Wietzendorf mit Führungen und Präsentationen verschiedener Schülerprojekte

Leitung: Andreas Ege, Rebekka Wehrs und Uwe Wrieden

Kooperationsveranstaltung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten mit der Gemeinde Wietzendorf und den gemeindefreien Bezirken Osterheide und Lohheide

Auf dem Gelände des heutigen Friedhofs in Hörsten wurden zwischen August 1941 und Januar 1945 mindestens 19.580 sowjetische Kriegsgefangene bestattet. Mitte Juli 1941, kurz nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion, wurden die ersten sowjetischen Soldaten in das Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen transportiert. Die Wehrmacht verweigerte ihnen eine Behandlung nach den Richtlinien der Internationalen Genfer Konvention. Unzureichende Ernährung, Unterbringung und medizinische Versorgung führten zu einem Massensterben. Allein bis April 1942 kamen 14.000 sowjetische Kriegsgefangene ums Leben. Die Toten wurden zunächst in Einzelgräbern, ab Oktober 1941 in Massengräbern beerdigt. Die Personalien und die Grablagen der Toten wurden von der Wehrmacht dokumentiert.
Ab August 1944 wurden zumeist schwerkranke Italienische Militärinternierte in das Lager eingeliefert. Bis Januar 1945 gab es unter ihnen 142 Todesfälle. Die Beisetzung der Verstorbenen erfolgte in Einzelgräbern in einer gesonderten Abteilung des Friedhofs. Dieser Friedhofsteil bestand jedoch nur bis 1958. Nach dessen Auflösung wurden die Toten dieses Friedhofteils auf den italienischen Ehrenfriedhof Hamburg-Öjendorf umgebettet.
Außerdem sind in zehn weiteren Einzelgräbern Armeeangehörige aus anderen Staaten bestattet worden. Bislang konnten drei von ihnen als polnische Kriegsgefangene identifiziert werden. Zwei Ärzte, die im Lazarett des Lagers eingesetzt waren, starben im Januar und Februar 1942, eine Soldatin aus dem Warschauer Aufstand im Januar 1945.

Am westlichen Rand des Truppenübungsplatzes Bergen befindet sich der Friedhof mit den Opfern der Kriegsgefangenenlager Fallingbostel und Oerbke. Hier sind mindestens 14.000 sowjetische Kriegsgefangene und Soldaten anderer Nationen bestattet, die zwischen 1940 und 1945 in den beiden Lagern starben. 1941 wurde mit der Einrichtung des Lagers Oerbke ein separater Friedhof eingerichtet, auf dem ca. 12.000 sowjetische Gefangene überwiegend in Massengräbern bestattet wurden. 1945 veranlasste die sowjetische Militärmission die Gestaltung der etwa 1,5 Hektar großen Anlage. 1958 wurde der erste in Fallingbostel angelegte Friedhof mit seinen 743 Einzelgräbern aufgelöst, 127 Tote wurden umgebettet.
Gegenwärtig befinden sich dort über 100 Grabsteine mit mehr als 900 Namen von französischen, jugoslawischen, polnischen, belgischen und sowjetischen Opfern.
Der „Weg des Erinnerns“ ist ein Projekt der Liethschule Bad Fallingbostel, das im Gedenken an die damaligen Opfer in Fallingbostel-Oerbke exemplarisch auf die Gräueltaten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufmerksam machen möchte. Seit 2007 wird jeweils am Buß- und Bettag mit allen Interessierten der Weg der Gefangenen vom Güterbahnhof in Bad Fallingbostel bis zum Friedhof in Oerbke beschritten. In der Vorbereitung fertigen die Schüler der Abschlussklassen Tontafeln mit Namen und Lebensdaten von in Oerbke gestorbenen Menschen an. Diese Namen werden vorgelesen, die Tafeln am Denkmal abgelegt und später an Eichenholzstelen befestigt.
Das Projekt wird in Kooperation mit der Schule am Walde, der evangelischen und der katholischen Kirche in Bad Fallingbostel, der GEW und dem Komitee Städtepartnerschaft durchgeführt.

Am Südrand des Truppenübungsplatzes Munster befindet sich der Friedhof mit den sowjetischen Opfern des Kriegsgefangenenlagers Wietzendorf. Er wurde 1942 im Zuge der Einrichtung des Lagers etwa 800 Meter nördlich davon angelegt. Über 50.000 sowjetische Kriegsgefangene wurden 1941/42 in das Stalag XD 310 Wietzendorf transportiert. Vom Wietzendorfer Bahnhof wurden die Häftlinge quer durch den Ort getrieben. Infolge des Massensterbens 1941/42 kamen allein bis zum Frühjahr 1942 in Wietzendorf ca. 14.500 Soldaten der Roten Armee um. Die Bestattung der Toten erfolgte auf die gleiche Weise wie in den Lagern Bergen-Belsen, Oerbke und Fallingbostel. Richtete man zunächst noch Einzelgräber ein, ging man ab Oktober 1941 dann bereits zu Massengräbern über. Im September 1945 befand sich die 2,4 Hektar große Anlage in einem verwahrlosten Zustand, der auf Anordnung der sowjetischen Militärmission zügig behoben wurde. Die offizielle Einweihung des Friedhofs fand dann im Dezember desselben Jahres statt.
Vom alten Lager ist nichts mehr erhalten, aber an der ehemaligen Lagergrenze wurde eine Gedenktafel mit den wichtigsten Hinweisen errichtet. Vor dem „Russenfriedhof“ hat die Gemeinde Wietzendorf, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen und der Schule Wietzendorf, ein Stelenfeld mit Tontafeln begonnen, auf denen die Namen der hier beerdigten sowjetischen Kriegsgefangenen genannt werden. Im kleinen Peetshofmuseum kann man heute anhand eines Modells das Lager in seinen Grundzügen erkennen.
Seit einigen Jahren können die Namen der auf den genannten Friedhöfen bestatteten Toten ermittelt werden. Die von der Wehrmacht geführten Personalakten der Verstorbenen wurden nach dem Krieg, entsprechend der Genfer Konvention, in die Sowjetunion gebracht und werden dort in einem Archiv bei Moskau verwahrt.

 

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Eine Anmeldung ist erforderlich bis zum 5. Juni 2017 telefonisch (05051-4759-0) oder per Mail (bergen-belsen@stiftung-ng.de)

Treffpunkt: Gedenkstätte Bergen-Belsen, Information im Dokumentationszentrum