Ausstellung

Roter Winkel – Politische Häftlinge im Konzentrationslager Bergen-Belsen

RoterWinkel_

Eine Ausstellung von Studierenden der Leibniz Universität Hannover in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Im öffentlichen Bewusstsein sind sie kaum noch präsent – Zehntausende Männer und Frauen, die zwischen 1943 und 1945 als politische Gefangene in das KZ Bergen-Belsen verschleppt wurden und zu einem großen Teil dort starben. Sie stellten mehr als die Hälfte aller Häftlinge in Bergen-Belsen. Doch kaum jemand weiß noch, dass hier mindestens acht Reichstagsabgeordnete der Weimarer Republik starben. Und kaum jemand kennt noch den ehemaligen Braunschweiger Ministerpräsidenten Heinrich Jasper, der in den 1920er Jahren einer der profiliertesten NS-Gegner war und im Frühjahr 1945 in Bergen-Belsen starb – so wie Tausende andere Widerstandskämpfer aus allen Teilen Europas, darunter ranghohe Kommandeure der französischen Résistance und der polnischen Heimatarmee.

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende droht das Vermächtnis des europaweiten Widerstandes gegen die Nationalsozialisten zu verblassen – Grund genug für Studierende der Leibniz Universität Hannover, zusammen mit der Gedenkstätte diesem Thema eine Sonderausstellung zu widmen, die zum 72. Jahrestag der Lagerbefreiung am 23. April 2017 in der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Anwesenheit mehrerer Überlebender des KZ Bergen-Belsen eröffnet wird.

Anhand zahlreicher Dokumente und Fotos sowie exemplarischer Biographien vermittelt die Ausstellung einen umfassenden Eindruck von der Bandbreite der Häftlingsgruppe der politischen Gefangenen und ihrer Existenzbedingungen in Bergen-Belsen. Die meisten von ihnen kamen aus den von Deutschland besetzten Ländern, vor allem aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich und Belgien. In Bergen-Belsen trafen sie auf Angehörige des deutschen Widerstandes, von denen viele schon seit 1933 in Haft waren. Sie alle trugen auf ihrer Häftlingskleidung den roten Winkel der politischen Gefangenen.

Die politischen Häftlinge hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen. Dennoch trugen sie zusammen mit Millionen Menschen aus allen Ländern Europas dazu bei, dass der Nationalsozialismus besiegt und Europa befreit wurde. Die Überlebenden setzten sich nach dem Krieg für ein friedliches, freies und demokratisches Europa ohne

Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus ein – ein Ziel, das heute angesichts von Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Abschottungspolitik in vielen Ländern Europas mehr gefährdet ist denn je.

Parade der KZ-Überlebenden in Paris, 1. Mai 1945. In der ersten Reihe marschieren hochrangige Résistance-Kämpfer, die nur zwei Wochen zuvor in Bergen-Belsen befreit wurden.

Ort: Gedenkstätte Bergen-Belsen

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr