Historische Verfolgung und Kontinuitäten

Die Geschichte der Sinti/Sintize und Roma/Romnja ist gekennzeichnet von einer Jahrhunderte langen Diskriminierung und Verfolgung, die ihre drastischste Ausprägung im nationalsozialistischen Genozid fand. Bereits Anfang der 1920er Jahre etablierte sich – nicht nur in Deutschland – eine staatliche „Zigeunerpolitik“ mit dem Ziel einer systematischen Erfassung und Kontrolle dieser Personengruppen. Während des Nationalsozialismus wurden die als „Zigeuner“ bezeichneten Personen als „Volksfremde“ definiert, systematisch verfolgt und schließlich ermordet. Die Grundlage dafür bildete die Zusammenarbeit verschiedener staatlicher Institutionen, u. a. von der Kriminalpolizei und der 1936 gegründeten „Rassenhygienischen und erbbiologischen Forschungsstelle“ im Reichsgesundheitsamt, die die Erforschung, rassistische Klassifizierung und Dokumentation der als „Zigeuner“ bezeichneten Personen zum Ziel hatte. Diese wurden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt („Festsetzungserlass“ von 1939), in Lagern interniert und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Außerdem wurden Sinti/Sintize und Roma/Romnja auch als sogenannte Asoziale verfolgt und damit aus der propagierten nationalsozialistischen Volksgemeinschaft ausgeschlossen.

Die NS-Verfolgungsorgane radikalisierten ihre Politik sukzessive. Ende 1942 verfügte der SS-Chef Heinrich Himmler die systematische Deportation aller im Reichsgebiet lebenden als „Zigeuner“ verfolgten Personen in das „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz-Birkenau. Dort wurden über 20 000 Menschen in den Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger und Misshandlungen. Noch mehr Roma und Romnja wurden im besetzten Osteuropa von Erschießungskommandos der SS, der Polizei und der Wehrmacht ermordet.

Diese Verfolgungsgeschichte endete nicht mit dem Jahr 1945, sondern setzte sich auf institutioneller und personeller Ebene fort. Beispielsweise wurde die polizeiliche Erfassung ab den 1960er Jahren in den sogenannten Landfahrerzentralen weiter geführt. Die während des Nationalsozialismus Verfolgten hatten jahrzehntelang keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung, da die rassistische Dimension der nationalsozialistischen Verfolgung nicht anerkannt wurde.