Pädagogische Ansätze

Mit Blick auf die Aktualität antiziganistischer Ressentiments und Diskriminierung stellen sich Fragen nach den Möglichkeiten der Prävention und nach Ansatzpunkten für eine pädagogische Arbeit. Eine Sensibilität hinsichtlich der eigenen gesellschaftlichen Position wie auch eine selbstkritische Auseinandersetzung mit möglichen eigenen antiziganistischen Ressentiments ist hierbei grundlegend. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sind daran Fragen nach dem Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten und möglichen abweichenden Lebensformen geknüpft: Welches Bild von einer gleichberechtigten und diskriminierungsarmen Gesellschaft habe ich? Was bedeutet dies für den Umgang mit Heterogenität? Neben der Auseinandersetzung mit den Stereotypen und Formen der Diskriminierung in der Mehrheitsgesellschaft ist es wichtig, die Position von Betroffenen zu stärken und insbesondere Interessenvertretungen von Roma/Romnja und Sinti/Sintize in die pädagogische Praxis einzubeziehen.
Die Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus und deren Kontinuitäten nach 1945 stellen einen wichtigen Bezugspunkt einer kollektiven Identität der Betroffenen und deren Nachkommen dar. In der historisch-politischen Bildungsarbeit eignen sich dabei unter anderem biografische Zugänge, worüber auch Bezugspunkte zur Gegenwart hergestellt werden können. Als Beispiel sei an dieser Stelle auf die Geschichte von Otto Rosenberg hingewiesen: Otto Rosenberg überlebte die Lager in Auschwitz-Birkenau, Buchenwald und Mittelbau-Dora, wurde im April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit und hat den Landesverband der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg mit aufgebaut. Über regionale Perspektiven können weiterhin lokale Bezüge hergestellt werden. Eine Verknüpfung historischer und gegenwartsbezogener Perspektiven ist in der Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Antiziganismus sinnvoll, um die Kontinuitäten und Funktionsweisen der Diskriminierung wie auch ihre Aktualität aufzuzeigen. Dieser Ansatz wird beispielsweise im Seminar „Antiziganismus. Von der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus bis heute“ umgesetzt.