Französische Frauen und Kinder im Austauschlager
Bergen-Belsen

Das Konzentrationslager Bergen-Belsen nahm im nationalsozialistischen Lagersystem eine besondere Stellung ein: Es entstand im Sommer 1943 weder als Vernichtungs- noch als Arbeitslager, sondern sollte als sogenanntes Austauschlager dienen. Dort wurden Jüdinnen und Juden aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern gefangen gehalten. Sie erschienen der SS und dem Auswärtigen Amt als Geiseln für einen Austausch gegen im Ausland internierte Deutsche wie auch gegen Material für die Kriegsführung oder Devisen geeignet. Aus diesem Grund waren die Existenzbedingungen der Häftlinge im Austauschlager zunächst besser als in anderen Konzentrationslagern.

Bei der Ankunft im Austauschlager waren die französisch-jüdischen Frauen und Kinder jedoch schockiert: Das Leben in einem Internierungslager kannten sie bereits aus Drancy, aber in Bergen-Belsen waren die Unterkünfte und Nahrung, Waschgelegenheiten und Latrinen erheblich schlechter als dort. Besonders einschneidend wirkten das tägliche lange Appellstehen und die brutale Behandlung durch die Wachmannschaften. Tagsüber mussten die Frauen anfangs in verschiedenen Werkstätten arbeiten. Die Kinder wurden währenddessen von einigen Frauen betreut, die von diesen Arbeiten entbunden waren.

In Anbetracht der immer geringeren Nahrungsmengen kam der gelegentlichen Zustellung von Paketen, die einige der kriegsgefangenen Männer nach Bergen-Belsen senden konnten, besondere Bedeutung zu. Um sich gegenseitig zu unterstützen, schlossen sich die französisch-jüdischen Frauen und Kinder zu kleinen Gruppen, den sogenannten Lagerfamilien, zusammen.

Im Herbst und Winter 1944 trafen zahlreiche Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern in Bergen-Belsen ein. Den Frauen und Kindern im Austauschlager gelang es mit anderen französisch-jüdischen Häftlingen Kontakt aufzunehmen. Auf diese Weise fanden sie die Gerüchte über die nationalsozialistischen Vernichtungslager bestätigt. Aber auch im überfüllten Konzentrationslager Bergen-Belsen wurde der Tod durch Hunger, Durst, Krankheiten und Kälte zu einem alltäglichen Anblick.