Kinder und Frauen von Kriegsgefangenen im Lager Drancy

Von den 75 000 Jüdinnen und Juden, die aus Frankreich in die nationalsozialsozialistischen Vernichtungs- und Konzentrationslager deportiert wurden, überlebten nur 2569 Männer, Frauen und Kinder. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Deportationstransporte von Jüdinnen und Juden aus Frankreich im Sammellager Drancy bei Paris zusammengestellt.

Die Frauen und Kinder von Kriegsgefangenen behielten auch in Drancy ihren Sonderstatus und sollten nicht sofort deportiert werden. Aufgrund dessen wurden sie zwischenzeitlich in die französischen Internierungslager Pithiviers und Beaune-la-Rolande überstellt. Einige Frauen von Kriegsgefangenen wurden in den Lagern Austerlitz, Lévitan und Bassano in Paris zur Arbeit eingesetzt. Manche Kinder von Kriegsgefangenen wurden aus Drancy in Kinderheime in der Pariser Region gebracht, doch sie blieben registriert und konnten jederzeit zurückgeholt werden.

Während ihrer Internierung mussten die Frauen und Kinder von Kriegsgefangenen die Deportation tausender anderer jüdischer Männer, Frauen und Kinder miterleben, unter denen sich auch Verwandte und Bekannte befanden. Obwohl sie wussten, dass sie besser geschützt waren als andere, befürchteten sie selbst deportiert zu werden. Diese Angst war nicht ungerechtfertigt, da die Anerkennung ihres Sonderstatus vom Belieben der deutschen Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes abhängig war, unter deren Kontrolle das Lager Drancy stand. Ihr geschützter Status führte schließlich dazu, dass sie als Austauschgeiseln verwendbar erschienen. Anstatt in eines der nationalsozialistischen Vernichtungslager deportiert zu werden, wurden 166 Frauen und 77 Kinder von Kriegsgefangenen aus diesem Grund im Mai und Juli 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt.