Räumung des Austauschlagers und Befreiung

Als britische Truppen am 15. April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen etwa 50 000 Häftlinge befreiten, befanden sich die Gefangenen des Austauschlagers nicht mehr dort. Anfang April wurden sie auf Räumungstransporten über das weitgehend zerstörte Schienennetz  in Richtung des Konzentrationslagers Theresienstadt transportiert. Während der Transporte und nach der Befreiung erkrankten zahlreiche Austauschhäftlinge an Typhus. Diese Krankheit, der Mangel an Nahrung und Wasser und die Entkräftung forderten unter den Austauschgeiseln viele Todesopfer. Außerdem wurden die Häftlingszüge auf der Fahrt mehrfach von Tieffliegern der Alliierten angegriffen, die sie vermutlich für Militärtransporte hielten.

Einer der Räumungstransporte erreichte am 20. April das KZ Theresienstadt, doch die französisch-jüdischen Frauen und Kinder von Kriegsgefangenen  befanden sich in den beiden anderen Transporten. Dadurch wurden elf der französisch-jüdischen Frauen bereits am 13. April 1945 von amerikanischen Truppen bei Magdeburg befreit. Die anderen Frauen und Kinder durchlitten hingegen eine zwei Wochen dauernde Irrfahrt, bevor sowjetische Truppen sie am 23. April 1945 östlich von Torgau befreiten und im nahe gelegenen Dorf Tröbitz unterbrachten. In den folgenden Tagen und Wochen starben dort noch zahlreiche ehemalige Austauschhäftlinge an Typhus und den Folgen der Haft- und Transportumstände.

Die Überlebenden legten einen jüdischen Friedhof für die Opfer an, der sich noch immer neben dem Ortsfriedhof des kleinen Dorfes befindet. Darüber hinaus erinnern mehrere Mahnmale an Massengräber von Austauschhäftlingen, die während des Transportes starben. Anlässlich des 70. Jahrestages eröffnet in Tröbitz im April 2015 eine Ausstellung über die Befreiung des Räumungstransportes und die Unterbringung und Versorgung der Häftlinge.

Aus dem Austauschlager Bergen-Belsen kehrten 225 jüdische Frauen und Kinder von französischen Kriegsgefangenen und ein weiteres, in Bergen-Belsen geborenes Kind nach Frankreich zurück. Vierzehn Frauen, drei Kinder und eine Jugendliche starben vor der Rückkehr nach Frankreich.