Inklusion – zur Herkunft des Begriffs

Gegenwärtig wird der Begriff Inklusion in der Gesellschaft kontrovers diskutiert. Erstmals wird er in der Salamanca-Erklärung „Pädagogik für besondere Bedürfnisse: Zugang und Qualität“ verwendet. In Salamanca fand im Jahr 1994 die UNESCO-Weltkonferenz statt, die das Ziel hatte, politische Beschlüsse für eine ,Bildung für alle‘ auf den Weg zu bringen. So sollten insbesondere Schulen darin unterstützt werden, allen Kindern mit ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Daher bezieht sich der Begriff Inklusion aus diesem Verständnis heraus auf alle Menschen und im Besonderen auf alle Kinder. In der Salamanca-Erklärung heißt es wörtlich: „[…] dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Straßen- sowie arbeitende Kinder, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder –gebieten“ (UNESCO 1994, zitiert nach Allemann-Ghionda 2013, 126).

Im Jahr 2006 wurde die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung verabschiedet. Diese greift den Begriff der Inklusion auf und fokussiert ihn besonders auf die Belange von Menschen mit Behinderungen. Deutschland ratifizierte die UN-Konvention im Jahr 2009 und verpflichtete sich damit, auf allen gesellschaftlichen Ebenen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen umzusetzen und zu sichern. Auf diese Weise beginnt sich der Begriff der Inklusion bildungspolitisch durchzusetzen.

Eine einheitliche Definition des Begriffs lässt sich derzeit in der deutschen Fachdiskussion nicht erkennen. So sei hier auf den Bericht des UN-Sonderberichterstatters Vernor Munoz für die Jahre 2004-2007 verwiesen, der das „Konzept der inklusiven Pädagogik“ (Lindmeier/Lindmeier 2012, 180) auch vor dem Hintergrund einer weltweit zu verzeichnenden Exklusion von Menschen mit Behinderungen aus dem allgemeinen Bildungssystem analysiert. Dennoch formuliert Munoz die Idee der Inklusion nicht allein mit dem Fokus auf Menschen mit Behinderungen: „Inklusive Pädagogik geht davon aus, dass jedes Kind einzigartige Eigenschaften, Interessen, Fähigkeiten und Lernbedürfnisse aufweist, und dass Lernende mit besonderem Lernunterstützungsbedarf Zugang zum allgemeinen Bildungssystem haben und dort mit Hilfe einer auf das einzelne Kind bezogenen Pädagogik erfasst werden müssen. Unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der Lernenden strebt Inklusive Pädagogik die Bekämpfung diskriminierender Haltungen, die Schaffung wertschätzender Gemeinschaften, die Verwirklichung einer Pädagogik für alle ebenso wie die Verbesserung der Qualität und Effektivität der Pädagogik für den Mainstream der Lernenden an“ (Munoz 2007, zitiert nach ebd.). Auch die ,Guidelines for Inclusion‘ der UNESCO unterstützen diese Sichtweise, indem sie „auf die Verschiedenheit der Bedürfnisse aller Lernenden durch Erhöhung der Teilhabe an Bildung, Kultur und Gesellschaft“ (ebd., 183) eingehen.