Offene Fragen

Es liegen empirische Erkenntnisse zu den Perspektiven von Kindern auf Holocaust/Nationalsozialismus vor. Hierbei handelt es sich um Ergebnisse kleinerer qualitativ angelegter empirischer Untersuchungen. Eine Verallgemeinerung dieser Ergebnisse, nicht zuletzt hinsichtlich der Heterogenität von Wissensbeständen und deren Gründen, ist notwendig. Zur unterrichtlichen Realität wie zu den Perspektiven von Lehrkräften liegt nur eine einzige kleine Untersuchung vor. Hier ist noch umfassender Forschungsbedarf zu konstatieren.

Hinsichtlich der Perspektiven von Kindern gilt es weitere Differenzierungen vorzunehmen. Die vorliegenden qualitativen Arbeiten konnten verdeutlichen, an welchen Punkten eine weitere Betrachtung lohnenswert ist. Hierzu zählen insbesondere die Fragen nach den Täter_innen sowie des Widerstandes. Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem dem Verständnis von Judentum sowie von Juden und Jüdinnen als historischen Akteuren gewidmet werden. Wie sich eine solch eigenständige Thematisierung jüdischer Geschichte und Kultur thematisieren lässt, ist bislang ungeklärt.

Auch hinsichtlich der Thematisierung von Holocaust/
Nationalsozialismus können weiterhin grundlegende offene Fragen konstatiert werden. So ist die Frage, ob das systematische Morden selber Gegenstand des Unterrichts in der Grundschule sein sollte, weiterhin unbeantwortet. Die Positionen diesbezüglich lassen sich allenfalls als „intuitiver Konsens“ beschreiben – und zwar hinsichtlich der Aussparung dieses doch eigentlich zentralen Aspekts in der Grundschule. Eine systematische, reflektierte und gezielte Klärung steht indes aus.