Bergen-Belsen Teachers and Young Professionals Programme

Projekt zur Qualifizierung und Vernetzung von außerschulischen und schulischen Multiplikator_innen aus dem Bereich historisch-politischer Bildung

Laufzeit: 2020 – 2023

Stein

Über das Projekt

Was bedeutet Bergen-Belsen heute? Mit dem viel zitierten nahenden Ende der Zeitzeug_innenschaft und dem wachsenden zeitlichen Abstand zu den Ereignissen der Jahre 1933 bis 1945 wird in Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit regelmäßig die Frage nach der Zukunft der Erinnerung gestellt. Präziser gefragt: An wen, weshalb und wie erinnern wir in Zukunft, wenn es um den Nationalsozialismus, sein gesellschaftliches System und insbesondere um die Menschen geht, die den Verbrechen zum Opfer gefallen sind?

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen nimmt diese Fragen auf und beschäftigt sich intensiv mit ihnen. Das bedeutet, weiterhin präzise darzustellen, welche Verbrechen wo, an wem und von wem begangen wurden. Es heißt aber außerdem, mit Besucher_innen gemeinsam festzustellen, welche Aktualität und Relevanz diese Verbrechen heute noch haben.

Die Bildungs- und Vermittlungsarbeit in der Gedenkstätte Bergen-Belsen möchte Prozesse der Auseinandersetzung darüber anstoßen. Dies ist nicht denkbar ohne ein fundiertes kritisches ethisches Geschichtsbewusstsein, das historisches Urteilsvermögen voraussetzt. Dem Gedenkstättenbesuch kommt dabei eine wichtige Rolle zu; doch knüpft daran die Frage an, wie die Gedenkstätte bzw. Themen des Ortes über oft kurze Besuche hinaus, in der Vermittlungsarbeit von Multiplikator_innen präsent und wirksam sein kann.

Mahnmal

© Stiftung niedersächsische Gedenkstätte | Gedenkstätte Bergen-Belsen

Das „Bergen-Belsen Teachers and Young Professionals Programme“ setzt hier inhaltlich und methodisch an: Es möchte Studierende und junge Berufstätige befähigen, am Beispiel Bergen-Belsens Bildungsformate zu entwickeln, die aufgrund ihrer Form und ihres Inhalts eine vertiefende und nachhaltige Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer Nachwirkung ermöglichen. Diese Formate sollen in der jeweils eigenen Vermittlungsarbeit der Teilnehmenden zum Einsatz kommen. Darüber hinaus soll das Programm die Selbstwirksamkeit stärken, indem über die eigene Bildungspraxis reflektiert wird. Die Teilnehmenden sollen in ihren Rollen als Multiplikator_innen auch in ihren jeweiligen Einrichtungen gestärkt werden, indem gemeinsam überlegt wird, wie die Ergebnisse der Seminare wiederum dort implementiert werden können.

Programm

Das „Bergen-Belsen Teachers and Young Professionals Programme“ wird als mehrtägige Veranstaltung für bis zu 20 Teilnehmende zunächst in einer Erprobungsphase von 2020 bis 2023 jeweils im Sommer oder Spätherbst stattfinden.

In den Seminaren werden die Teilnehmenden mit ihren individuellen Perspektiven und Erfahrungen abgeholt. Neben Input zu Themen des Ortes und seiner Geschichte, geht es auch um die Reflexion der eigenen Bildungspraxis, der eigenen Haltung und der Wahrnehmung der Teilnehmenden und ihrer Perspektiven. Ergebnis des Programms können dann konkrete Produkte oder Formate sein, die von den Teilnehmenden in ihren eigenen Kontexten verwendet werden und auch anderen Nutzer_innen zugänglich gemacht werden können. Es können aber auch Produkte entstehen, die auf die Implementierung der Seminarinhalte in den Einrichtungen der Teilnehmenden abzielen, z.B. indem der Prozess so aufbereitet und dokumentiert wird, dass auch andere davon profitieren.

Zum Abschluss des Modellprojektes soll in einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung die Verknüpfung aktueller Perspektiven in der Erinnerungskultur mit der Auseinandersetzung mit historischen Verfolgungsorten des NS wie beispielsweise Bergen-Belsen debattiert werden.

© Stiftung niedersächsische Gedenkstätte | Gedenkstätte Bergen-Belsen

Zielgruppen

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen spricht mit dem Projekt vor allem junge Berufstätige und Studierende als Multiplikator_innen an. Die Fachrichtungen und Studiengänge der avisierten Teilnehmenden sollen eine Tätigkeit im weit verstandenen Berufsfeld von Bildung, Schule, Erziehung und Sozialer Arbeit ermöglichen. Die Gedenkstätte möchte im Besonderen Teilnehmende mit diversen kulturellen Hintergründen und Erfahrungen erreichen.

EduLabs

Bergen-Belsen EduLab 2020: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Thema für die Bildungsarbeit

Vom 28. September bis zum 5. Oktober 2020 fand unter dem Titel „Edulab 2020 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Thema für die Bildungsarbeit“ der Auftakt zu unserem dreijährigen Modellprojekt statt. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung digital statt.

Zwölf Teilnehmer_innen, bestehend aus Lehramtsstudierenden, Lehrer_innen, und Multiplikator_innen in der außerschulischen historisch-politischen Bildung z.T. mit Lehramtsstudium sowie der universitären Bildung, nahmen am Seminar teil.

Als rein digitales Seminar wechselten sich Einheiten vor dem Bildschirm mit Einheiten der selbstständigen Arbeit ab, etwa der Erschließung der Inhalte der Ausstellung. Auf einer speziell dazu eingerichteten internen digitalen Plattform wurden dazu Materialien zur Verfügung gestellt, die eine Vertiefung und Einblicke in die Arbeit der Gedenkstätte ermöglichten. Um den (historischen) Ort vorzustellen und einen visuellen Eindruck zu geben, gab es einen live kommentierten virtuellen Rundgang über das Gelände.

Die Workshops starteten zunächst mit einem Impuls zum Thema gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und den Begriffen von Gleichheit, Ungleichheit und Ungleichwertigkeit, sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit. Vertieft behandelt wurden dann die Themen Antiziganismus und Antisemitismus als spezifische Ausprägungen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Erklärtes Ziel des Seminars war die Erarbeitung von eigenen Konzeptskizzen, in denen die Teilnehmenden das Thema gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufgreifen und in ein Format für ihre eigene Tätigkeit umsetzen sollten. Drei Arbeitsgruppen mit sehr unterschiedlichen Zugängen entstanden, die sich gleichwohl alle an den Kriterien der Nachhaltigkeit von Bildungsprogrammen und eigenständiger Auseinandersetzung mit dem Thema gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit orientierten.

Das Edulab 2020 war ein gelungener Auftakt für das Projekt, mit vielen Anregungen und Denkanstößen für die beiden weiteren Jahre. Schulische wie außerschulische Multiplikator_innen haben ein großes Interesse daran haben, sich Themen wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Krieg, Holocaust, Nationalsozialismus und Rassismus für ihre Arbeitskontexte zu erarbeiten. Das Projekt kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Ein detaillierter Bericht findet sich im Jahresbericht 2020 der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

 

Bergen-Belsen EduLab 2021

Die Planungen laufen derzeit. Hier wird in Kürze mehr dazu erscheinen.

 

Steine

© Stiftung niedersächsische Gedenkstätte | Gedenkstätte Bergen-Belsen

Förderer

Das Projekt wird gefördert vom Staatsministerium für Kultur und Medien im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“.

Kontakt

Gedenkstätte Bergen-Belsen
Abteilung Bildung und Begegnung
Nicola Schlichting, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Katrin Unger, Leitung
Tel.: +49 (0) 5051 / 47 59 -0
E-Mail: bildung.bergen-belsen@stiftung-ng.de

www.bergen-belsen.de