Vortrag

Der deutsche „Rassenstaat“ im 20. Jahrhundert. Groß- und Lebensraumkonzepte in Kolonialismus und Nationalsozialismus

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Zimmerer


Der erste deutsche Versuch, einen „Rassenstaat“ zu errichten fand ebenso wie der erste Genozid in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, statt. Nur eine Generation vor den „Nürnberger Rassegesetzen“, dem „Vernichtungskrieg im Osten“ und dem „Generalplan Ost“, experimentierte man dort mit dem Verbot so genannter Mischehen und dem Aufbau einer „rassischen Privilegiengesellschaft“. Viele historische Analysen der deutschen Eroberungs- und Beherrschungspolitik in Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges blenden diese Parallelen jedoch aus.

Der Vortrag macht die kolonialen Elemente der deutschen Besatzungspolitik, des Vernichtungskrieges und des Genozids sichtbar und identifiziert Vorläufer und Vorbilder. Ein Blick darauf hilft auch zu verstehen, warum so viele Deutsche zu Mittätern wurden: Die positive Lesart der europäischen Kolonialherrschaft bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hat dazu beigetragen, den verbrecherischen Charakter der deutschen Herrschaft zu verschleiern.

 

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer lehrt Globalgeschichte mit dem Schwerpunkt Afrika an der Universität Hamburg. Publikationen (u. a.): Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Münster 2011; Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Frankfurt/M. 2013; Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg in Namibia (1904-1908) und die Folgen, Berlin 2016.

 

Eine Veranstaltung der Region Hannover, Gedenkstätte Ahlem.

Programm August bis Dezember 2019 der Gedenkstätte Ahlem