Vortrag

Die Reichserntedankfeste im „Dritten Reich“. Geschichte(n) einer nationalsozialistischen Masseninszenierung

Bückeberg

Vortrag von Dr. Anette Blaschke

Der „Nationale Erntedanktag“ gehörte seit Frühjahr 1933 als staatlicher Feiertag zum Festkalender des „Dritten Reiches“. Bis 1937 fand jährlich im Herbst im heutigen Landkreis Hameln-Pyrmont eine Großveranstaltung statt, die die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung mit einem Staatsakt in die „völkische Gemeinschaft“ integrieren sollte. Auf Basis vielfältiger historischer Überlieferungen erzählt der Vortrag die Geschichte(n) der Reichserntedankfeste aus unterschiedlichen Perspektiven: Erstens lassen sich diese Massenereignisse in ihren organisatorischen Dimensionen begreifen. Zweitens fügt sich ihre Inszenierung über zentrale Motive der Propaganda wie „Blut und Boden“ und „Volksgemeinschaft“ in die Dynamik der NS-Diktatur und ihrer ideologischen Fragmente ein. Drittens spiegeln individuelle Wahrnehmungen und lokale Praktiken ganz unterschiedliche Formen der Teilhabe an den Reichserntedankfesten sowie der eigensinnigen Aneignung von Symbolen und Erfahrungen wider.

 

Die Vortragsreihe „NS-Volksgemeinschaft“ und „Gemeinschaftsfremde“ der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße

In der Geschichtswissenschaft ist in den letzten Jahren über den Begriff der „Volksgemeinschaft“ erneut debattiert worden. Vieles spricht dafür, das Bestehen einer solchen Gemeinschaft nicht nur als nationalsozialistische Propaganda abzutun. So war die Loyalität vieler Deutscher zum NS-Staat größer, als es lange Zeit eingeräumt wurde. Widerwilliges Hinnehmen, die bewusste Zustimmung oder das gedankenlose Mitmachen waren verbreitete sozialer Praxis, die auch beim Einzelnen zu unterschiedlichen Anlässen auftreten konnte. Dabei wurde die Ausgrenzung der „Gemeinschaftsfremden“ vielfach akzeptiert, und nicht wenige partizipierten an Verdrängung und Enteignung.

Die Vortragsreihe befasst sich anhand von Beispielen aus der Region mit der gezielten Förderung der Volksgemeinschaft und dem Verhältnis von „Gemeinschaftsfremden“ und „Volksgenossen“.

Weitere Termine:

Samstag, 9. März 2019, 14.00 Uhr
Leben mit dem Lager. Gewalt, Kooperation und Erinnerung in Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen 1933 – 1960
Vortrag von Dr. Bianca Roitsch

Donnerstag, 4. April 2019, 19.00 Uhr
Die Reichserntedankfeste im „Dritten Reich“. Geschichte(n) einer nationalsozialistischen Masseninszenierung
Vortrag von Dr. Anette Blaschke

Mittwoch, 24. April 2019, 19.00 Uhr
Lager-SS, betriebliche Vorgesetzte und Häftlinge – Die Organisationsstruktur im KZ Drütte
Vortrag von Dr. Teri Arias

Donnerstag, 16. Mai 2019, 19.00 Uhr
Biografien von Opfern nationalsozialistischer Zwangssterilisationen im Land Braunschweig – Ergebnisse eines Forschungsseminars an der TU Braunschweig
Vortrag von Loretta Belsanti, Kim Langemann, Jens Alexander Nemitz, Lina-Marie Sittmann, Marla Teufel, Dr. Thomas Kubetzky

Donnerstag, 20. Juni 2019, 19.00 Uhr
„…brachte natürlich einen wesentlich höheren Ertrag.“ Zur Vermögensanlage des entthronten braunschweigischen Herzogshauses in der NS-Zeit
Vortrag von Gerrit Hollatz

Eine Veranstaltungsreihe im Rahmen des Programms Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Braunschweig