Vortrag

Die Vertreibung der deutschen Juden und die Reaktion des Auslands

Gebäude

Vortrag von Anna Ullrich

Von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 bis zum Kriegsbeginn im September 1939 – also etwas mehr als sechseinhalb Jahren – wurde mehr als eine Viertelmillion Menschen aus Deutschland vertrieben. Sie sahen sich zur Emigration gezwungen, weil sie von den Nationalsozialisten als Jüdinnen und Juden verfolgt wurden. Der Vortrag zeichnet die Fluchtwellen nach, die oftmals mit den Ausbrüchen antisemitischer Gewalt und Rechtsbrüche zusammenfielen, wie dem Aprilboykott 1933, der Verabschiedung der Nürnberger Gesetzte 1935 und des Novemberpogroms 1938. Gleichzeitig werden auf der Grundlage von Tagebüchern und Zeitungsberichten individuelle Entscheidungsprozesse rekonstruiert. Neben den Maßnahmen der Nationalsozialisten, die den Auswanderungsdruck stetig erhöhten, werden im Vortrag auch die Reaktionen (potentieller) Aufnahmeländer in den Blick genommen, die nicht zuletzt aufgrund innenpolitischer Überlegungen die Aufnahme einer signifikanten Zahl an Flüchtlingen verweigerten.

Dr. Anna Ullrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Holocaust-Studien, einer Abteilung des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin. Seit 2016 ist sie Koordinatorin der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI), in dessen Mittelpunkt die Vernetzung der europäischen Holocaust-Forschung und die Verbesserung des Zugangs zu relevanten Archivmaterialien steht.

Eine Veranstaltung der Region Hannover, Gedenkstätte Ahlem

Halbjahresprogramm der Gedenkstätte Ahlem 1. Halbjahr 2020