Seminar

Erinnerungskulturen im deutsch-russischen Vergleich

Foto: Jesco Denzel

Mehrtägiges Begegnungsprogramm für Studierende aus Niedersachsen und der Region Perm/Russland

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die Gedenkstätte für die Opfer politischer Repressionen „Perm-36“ in der Region Perm/Russland führen in den kommenden Monaten ein deutsch-russische Begegnungsprogramm durch. Im Mittelpunkt stehen der Besuch der beiden Gedenkstätten sowie weiterer Orte der Erinnerung in Perm und Hannover sowie der Austausch über Erinnerungskultur in Bezug auf die Themen Nationalsozialismus, Stalinismus und Zweiter Weltkrieg. Während des Begegnungsprogramms in Niedersachsen wird ein Fokus auf der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Bergen-Belsen und insbesondere der Gruppe der sowjetischen Kriegsgefangenen liegen.


Gedenkstätte Bergen-Belsen

Am historischen Ort der Gedenkstätte Bergen-Belsen befand sich von 1940 bis 1945 ein Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht und von 1943 bis 1945 ein Konzentrationslager der SS. Nach der Befreiung des Lagers am 15. April richtete die britische Armee

in der nahe gelegenen ehemaligen Wehrmachtskaserne zunächst umgehend ein Nothospital, dann ein Camp für polnische und jüdische Displaced Persons (DPs) ein – Überlebende nationalsozialistischer Lager, die sich bei Kriegsende außerhalb ihres Heimatlandes befanden. Das DP-Camp für die polnischen DPs existierte von 1945 bis 1946, das DP-Camp für die jüdischen DPs von 1945 bis 1950. Auf Anordnung der britischen Militärregierung wurde ein Teil des ehemaligen Lagergeländes als Gedenkstätte gestaltet, die 1952 offiziell eingeweiht wurde.


Gedenkstätte für die Opfer politischer Repressionen „Perm-36“

Die Gedenkstätte für die Opfer politischer Repressionen ist ein historischer Ort auf dem Gelände eines ehemaligen Lagers des stalinistischen Terrors und der politischen Repressionen in der ehemaligen UdSSR. Die Geschichte des dort zwischen 1946 und 1988 existierenden Lagerkomplexes umfasst drei Phasen, die durch unterschiedliche Häftlingsgruppen sowie Arbeits- und Lebensbedingungen gekennzeichnet sind. Zunächst waren Gulag-Häftlinge, später Funktionsträger des stalinistischen Sicherheitsapparats inhaftiert. Ab 1972 trug das Lager die Bezeichnung „VS-389-36“, weshalb die nun dort inhaftierten politischen Gefangenen den Namen „Perm-36“ prägten. Durch bürgerschaftliches Engagement konnte 1995 die Gedenkstätte „Perm-36“ offiziell gegründet werden.


Chancen und Potentiale

Begegnung & Austausch: Die Teilnehmenden haben die Chance internationale Erfahrungen zu sammeln und junge Menschen aus Russland kennenzulernen. Sie können zudem Einblicke in gesellschaftliche Strukturen gewinnen und sich über Lebensalltag und kulturelle Besonderheiten austauschen.

Wissen & Kompetenzen: Die Teilnehmenden setzen sich aus verschiedenen Perspektiven mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, des Nationalsozialismus und des Stalinismus auseinander und versuchen Verflechtungen zwischen verschiedenen historischen Ereignissen zu identifizieren. Ausgehend von Formen der Erinnerungskultur, Geschichtsbildern und Geschichtspolitiken befassen sich die Teilnehmenden zudem mit der gegenwärtigen Relevanz von Nationalsozialismus, Stalinismus und Zweitem Weltkrieg in Russland und Deutschland.

Netzwerke & Perspektiven: Das Programm ermöglicht den Teilnehmenden interessante Kontakte zu Personen und Institutionen, die im Bereich der historisch-politischen Bildung und Gedenkstättenpädagogik tätig sind. Diese Kontakte können in der Zukunft möglicherweise nützlich sein, um sich weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen.


Termine:

1,5-tägiges Vorbereitungsseminar in Hannover: Freitag, 12. bis Samstag, 13. Oktober 2018

Begegnungsseminar in der Region Perm: Mittwoch, 24. bis Dienstag, 30. Oktober 2018

Begegnungsseminar in der Region Hannover: Dienstag, 30. April bis Montag, 6. Mai 2019


Teilnahmebedingungen:

  • Alter: 18 – 23 Jahre
  • Studium an einer niedersächsischen Universität, vorzugsweise Lehramtsstudium aller Schulformen
  • Teilnahme an allen Seminaren
  • Englischkenntnisse
  • gültiger Reisepass (dieser muss mindestens sechs Monate über das Ausreisedatum nach Russland hinaus gültig sein und zwei leere Seiten aufweisen)
  • selbstständige Organisation des Visums für Russland, Hinweis: die Bearbeitungszeit des postalischen Antrags über das kostenpflichtige Russische Visazentrum (Visa Handling Services) beträgt ca. zwei Wochen
  • individuelle Auslandskrankenversicherung

An dem Programm können jeweils acht deutsche und acht russische Studierende teilnehmen. Anmeldeschluss ist Dienstag, der 25. September 2018. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen mit Angabe von Name, Geburtsdatum, Anschrift, Universität und Studienfach per Mail an veranstaltung.bergen-belsen@stiftung-ng.de.

Der Teilnahmebeitrag beinhaltet Programm- und Reisekosten für alle Seminare und beträgt insgesamt 200 Euro. Mit der Teilnahmebestätigung erhalten Sie die Aufforderung zur Zahlung des Teilnahmebeitrags. Die Anmeldung wird erst mit der Zahlung verbindlich.

Programm

Für Nachfragen steht Daniel Tonn zur Verfügung
Gedenkstätte Bergen-Belsen | Bildung und Begegnung
Anne Frank Platz
29303 Lohheide
Tel.: +49 (0) 5051 – 4759-173
veranstaltung.bergen-belsen@stiftung-ng.de