Vortrag

Leben mit dem Lager. Gewalt, Kooperation und Erinnerung in Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen 1933 – 1960

Gebäude

Vortrag von Dr. Bianca Roitsch

Bis heute symbolisieren Stacheldraht, Baracken und Wachtürme die Verbrechen in den Lagern während der Zeit des Nationalsozialismus. Zunächst mag es naheliegen, daher von einer klaren Trennung zwischen dem Inneren der Lager und ihrer Außenwelt auszugehen, doch die Forschung der vergangenen 25 Jahre hat gezeigt, dass die Lager keineswegs abgeschottet waren. Am Beispiel der Lager Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen kann gezeigt werden, dass sich stattdessen facettenreiche Beziehungen entwickelten, geprägt von gegenseitiger Kenntnisnahme, Kooperation, Pragmatismus und Konflikten. Historische Quellen belegen unter anderem die vielfältigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Lagern und ihrer Umgebung und zeigen, wie die Lager als Orte der vermeintlich rechtmäßigen Inhaftierung inszeniert wurden. Nach 1945 setzte dann eine lokale Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit ein, bei der die nachbarschaftlichen Beziehungen sowie das Bild vom Lager als abgeschirmtem Ort eine wesentliche Rolle spielen sollten.

 

Die Vortragsreihe „NS-Volksgemeinschaft“ und „Gemeinschaftsfremde“ der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße

In der Geschichtswissenschaft ist in den letzten Jahren über den Begriff der „Volksgemeinschaft“ erneut debattiert worden. Vieles spricht dafür, das Bestehen einer solchen Gemeinschaft nicht nur als nationalsozialistische Propaganda abzutun. So war die Loyalität vieler Deutscher zum NS-Staat größer, als es lange Zeit eingeräumt wurde. Widerwilliges Hinnehmen, die bewusste Zustimmung oder das gedankenlose Mitmachen waren verbreitete sozialer Praxis, die auch beim Einzelnen zu unterschiedlichen Anlässen auftreten konnte. Dabei wurde die Ausgrenzung der „Gemeinschaftsfremden“ vielfach akzeptiert, und nicht wenige partizipierten an Verdrängung und Enteignung.

Die Vortragsreihe befasst sich anhand von Beispielen aus der Region mit der gezielten Förderung der Volksgemeinschaft und dem Verhältnis von „Gemeinschaftsfremden“ und „Volksgenossen“.

Weitere Termine:

Samstag, 9. März 2019, 14.00 Uhr
Leben mit dem Lager. Gewalt, Kooperation und Erinnerung in Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen 1933 – 1960
Vortrag von Dr. Bianca Roitsch

Donnerstag, 4. April 2019, 19.00 Uhr
Die Reichserntedankfeste im „Dritten Reich“. Geschichte(n) einer nationalsozialistischen Masseninszenierung
Vortrag von Dr. Anette Blaschke

Mittwoch, 24. April 2019, 19.00 Uhr
Lager-SS, betriebliche Vorgesetzte und Häftlinge – Die Organisationsstruktur im KZ Drütte
Vortrag von Dr. Teri Arias

Donnerstag, 16. Mai 2019, 19.00 Uhr
Biografien von Opfern nationalsozialistischer Zwangssterilisationen im Land Braunschweig – Ergebnisse eines Forschungsseminars an der TU Braunschweig
Vortrag von Loretta Belsanti, Kim Langemann, Jens Alexander Nemitz, Lina-Marie Sittmann, Marla Teufel, Dr. Thomas Kubetzky

Donnerstag, 20. Juni 2019, 19.00 Uhr
„…brachte natürlich einen wesentlich höheren Ertrag.“ Zur Vermögensanlage des entthronten braunschweigischen Herzogshauses in der NS-Zeit
Vortrag von Gerrit Hollatz

Eine Veranstaltungsreihe im Rahmen des Programms Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Braunschweig