Einführung

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die Polizei zu einem bedeutenden Herrschaftsinstrument im NS-Staat. Ihre Befugnisse wurden immer stärker erweitert und der Rechtsstaat dabei zunehmend ausgehöhlt. Die Gewaltenteilung wurde bereits im Februar 1933 weitgehend aufgehoben. Alle Bereiche der Polizei waren an der Verfolgung von Menschen beteiligt, die das NS-Regime als Gegner_innen ansah. Mit Beginn des Krieges wurden Polizisten vielfach zu Massenmördern, die die Mordphantasien der NS-Führung in eine schreckliche Realität umsetzten.

Nur wenige von Ihnen mussten sich nach 1945 für ihre Taten verantworten. Eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen blieb weitgehend aus. Stattdessen fand eine Reihe belasteter Polizisten schnell wieder ihren Weg in den Polizeidienst in der jungen Bundesrepublik Deutschland. Sie brachten auch ihr Gedankengut mit – etwa ihre voreingenommene Haltung zu Sinti_zze und Rom_nja.

Die fünf Module für die Bildungsarbeit mit Polizeigruppen behandeln diese Entwicklung von der Machtübernahme bis in die Nachkriegszeit. Davon ausgehend sollen sie die Teilnehmenden dazu anregen, ihren eigenen Berufsalltag und ihr Berufsverständnis als Polizist_innen kritisch zu reflektieren.

Modul 3.1 | Polizei im Nationalsozialismus – Eine Einführung

Das Modul gibt einen Überblick zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus. Es schlägt einen Bogen von der Verschiebung der Normen ab Januar 1933 bis zur Beteiligung der Polizei an Massenverbrechen.

Modul 3.1 | Polizei im Nationalsozialismus – Eine Einführung

Krakau, Razzia von deutscher Ordnungspolizei (BA_Bild_101I-030-0780-28)

Modul 3.2 | Kontinuität statt Aufarbeitung

Im Fokus steht hier die Biografie von Karl-Heinz Müller. Er leitete von 1943 bis 1944 Kriminalpolizei und Gestapo im besetzten südfranzösischen Toulouse. Nach Kriegsende entging er der Strafverfolgung und stieg zum Leiter der Kriminalpolizei in Celle auf. Behandelt werden Müllers Tätigkeit in Frankreich, seine Nachkriegskarriere und die Gründe für die gescheiterte juristische Aufarbeitung seiner Verbrechen.

Modul 3.2 | Eine Einführung

Modul 3.2.a | Vor 1945

Modul 3.2.b | Nach 1945

Von Karl-Heinz Müller unterschriebene Deportationsmeldung (NLA Stade, Rep. 280 P Nr. 213)

Modul 3.3 | Deportationen nach Riga

Dieses Modul thematisiert die Verschleppung von als Jüdinnen und Juden verfolgten Menschen nach Osteuropa, wo sie mehrheitlich ermordet wurden. Im Zentrum dieses Moduls steht der Bericht des Schutzpolizisten Paul Salitter, der die Deportation verantwortlich begleitete. Er wird um Materialien ergänzt, welche die Arbeitsteilung der Verfolgungsinstanzen verdeutlichen. Dokumente aus der Perspektive der Opfer kontrastieren die Sicht der Täter.

Modul 3.3 | Deportationen nach Riga

Ghetto Riga, ca. 1942 (BA_Bild_183-N1212-326, Otto Donath)

Modul 3.4 | Polizei, Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft

Alltag und Aufgaben der Polizei änderten sich im Zweiten Weltkrieg. Für die Gebiete des so genannten Altreiches wird hier beispielhaft die Überwachung von Kriegsgefangenen und aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen Zwangsarbeitenden in Bremervörde und dem Landkreis Stade thematisiert. Welche polizeilichen Aufgaben hinzukamen und wie sich der völkische Rassismus des NS-Staates in diesen zeigte, wird hier problematisiert. Durch die Thematisierung des damaligen Arbeitsalltages von Polizisten sollen die Teilnehmenden ermutigt werden, ihren eigenen Arbeitsalltag als Kontrast in die Diskussion einzubringen.

Modul 3.4 | Polizei, Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft
(Inhalte zum Download werden bald bereitgestellt.)

Erdunterkünfte im Kriegsgefangenenlager Oerbke, 1941 (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Dokumentationsstelle Celle, 8-12_42269, Franz Josef Z.)

Modul 3.5 | Gegenwartsbezug

Das Modul regt zur Auseinandersetzung mit der Frage an, welche Relevanz die Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus für den Berufsalltag von heutigen Polizist_innen hat. Im Fokus stehen die Themen Stereotype und Vorurteile, Handlungsspielräume und -motivationen sowie soziale Mechanismen von Täter_innenschaft und Tatbeteiligung.

Modul 3.5 | Gegenwartsbezug

Zwei Polizisten beobachten im bayerischen Erlangen Passanten (Markus Spiske)