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Aktionstage, Lesungen, Tagungen, Gedenkfeiern... Hier finden sich Veranstaltungen von Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen in Niedersachsen.

„Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt“ – Zwangssterilisation in Lüneburg

Online-Ausstellung der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg in Kooperation mit der  VHS Lüneburg

Allgemeine Informationen der Veranstaltung

Mi, 30. Juni 2021 - 18:00
bis
Do, 27. Januar 2022 -

online

Das Hochzeitsfoto von Erich und Thea Harenburg erzeugt gemischte Gefühle. Das Paar durfte erst heiraten, nachdem bei Thea eine Sterilisation durchgeführt worden war. Diese erfolgte unfreiwillig und ihr ging eine Odyssee rassen-hygienischer Verfolgung voraus. Wie Thea erging es über 750 Jugendlichen, Frauen und Männern aus dem Regierungs- und Gerichtsbezirk Lüneburg, die ab 1. Januar 1934 unter das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses fielen“.

Ihre Geschichten werden ab 30. Juni 2021 in der digitalen Sonderausstellung „´Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt´ – Zwangssterilisation in Lüneburg“ im virtuellen Ausstellungsraum der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg auf www.geschichte-raum-geben.de erzählt.

„Als wir diese Sonderausstellung vor vier Jahren im Landgericht Lüneburg zeigten, dachte ich, das war’s! Alle über 1.000 Gerichtsakten sind erfasst, ausgewertet und dokumentiert. Doch weit gefehlt. Vor zwei Jahren tauchten acht Sterilisationsbücher aus der Landesfrauenklinik Celle auf, die eine grundlegende Überarbeitung der Ausstellung nötig machten“, erzählt Dr. Carola Rudnick, Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg und Kuratorin der Ausstellung.

In den Sterilisationsbüchern finden sich auch Einträge zu Frauen, bei denen es bislang keine Hinweise auf eine Sterilisation gab. Besonders sind auch Einträge über Schwangerschaftsabbrüche, die bis zum fünften Schwangerschaftsmonat im Rahmen der Sterilisationsoperation durchgeführt wurden. Die beteiligten Ärzte verzeichneten akribisch Größe und Gewicht der getöteten Ungeborenen. Die Online-Ausstellung bietet nicht nur einen neuen Forschungsstand, sondern eröffnet Besucher_innen auch tiefere Einblicke und neue Perspektiven auf das Thema „Sterilisation“, etwa indem die Verfolgung ganzer Familien stärker in den Mittelpunkt gerückt wird und die dokumentierten Täter-Biografien die perfiden Motive offenbaren.

Menschen, die Sonderausstellungen individuell und zeitlich flexibel anschauen möchten, bietet diese zweite digitale Ausstellung der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg deutlich mehr Möglichkeiten als die analogen Installationen, etwa durch Pop-ups historischer Fotos und Dokumente, durch das Einbinden interaktiver Karten sowie durch das Bereitstellen von Zusatzmaterialien als PDF-Download. „Da wir sehr viel positive Resonanz auf die Hörfassung und auf die zusätzlichen Texte in Leichter Sprache erhalten haben, setzen wir dieses Angebot auch in dieser Online-Ausstellung fort“, betont Claudia Kutzick von der VHS REGION LÜNEBURG, Kooperationspartnerin des Projektes.

Die digitale Sonderausstellung „´Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt´ – Zwangssterilisation in Lüneburg“ wird bis 27. Januar 2022 im Portal „geschichte – raum – geben“ zu sehen sein. Danach folgt eine weitere Sonderausstellung der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg.

Die Nutzung des Portals „geschichte – raum – geben“ ist kostenfrei.

Weitere Informationen auf der Homepage der Gedenkstätte

Kontakte:
Dr. Carola S. Rudnick
„Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg e. V.
info@gedenkstaette-lueneburg.de
Tel. 04131 60 883 72

oder unter
VHS REGION LÜNEBURG
www.vhs.lueneburg.de
info@vhslg.de.de
Tel. 04131 15 66 0

Das Projekt wird gefördert von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.