Wer gegen wen? Gewalt, Ausgrenzung und das Stereotyp „Jude“ im Fußball

Eine Untersuchung zu Antisemitismus und Präventionsarbeit im Fußball in Niedersachsen

Inhalte des Projekts

Antisemitische Beschimpfungen, Bedrohungen und gewalttätige Übergriffe gegen jüdische und nicht-jüdische Vereine, Spieler_innen und Fans sind sowohl im Profifußball als auch im Amateursport kein neues Phänomen. Nachhaltige und vorbeugende Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus sowie Forschung, die zur Aufklärung und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten beitragen, sind bisher allerdings nur vereinzelt vorhanden.

Das Projekt „Wer gegen wen? Gewalt, Ausgrenzung und das Stereotyp ‚Jude’ im Fußball“ der Gedenkstätte Bergen-Belsen und des World Jewish Congress setzte in der Projektphase zwischen Mai und Dezember 2020 an diese Lücke in der Forschung und Praxis an. In dem Projekt wurden Expert_innen in Niedersachsen befragt, inwiefern sie Antisemitismus im Untersuchungsfeld beobachten und welche Maßnahmen zur Prävention sie einsetzen bzw. welche sie für bedarfsgerecht halten.

Ziele

Das Ziel der Projektphase in 2020 war, Handlungsempfehlungen zur Vorbeugung von Antisemitismus im Fußball durch historisch-politische Bildungsarbeit zu entwickeln.

Um bedarfsorientierte und zielgruppengerechte Bildungsangebote zu erarbeiten, wurden Interviews mit Expert_innen auf verschiedenen Ebenen des organisierten Fußballs in Niedersachsen geführt. Neben den Verbänden, Profi-Vereinen, Fanprojekten und Fan-Initiativen wurden auf der Ebene des Breitensports ebenso Amateurvereine in der Untersuchung befragt. Darüber hinaus wurden weitere Expert_innen der Fachwelt sowie der Zivilgesellschaft mit in den Forschungsprozess einbezogen.

Entwicklung von Bildungsangeboten und Handlungsempfehlungen

In der Projektphase in 2021 werden historisch-politische Bildungsangebote zur Prävention von Antisemitismus gemeinsam mit Akteur_innen im Fußball entwickelt und durchgeführt. In den Bildungsangeboten soll Antisemitismus nicht nur im Kontext des Holocaust behandelt, sondern auch mit aktuellen fußballspezifischen Erscheinungsformen verknüpft werden. Somit wird ein Lebenswelt- und Sozialraumbezug der vor allem jüngeren Zielgruppen angestrebt. Bündnisse gegen Antisemitismus im Fußball basieren maßgeblich auf dem Engagement ehrenamtlich arbeitender Menschen. Die bestehenden Netzwerke gegen Antisemitismus im Fußball und das zivilgesellschaftliche Engagement sollen mit Hilfe der Ergebnisse des Forschungsprojekts durch praxisnahe Bildungsangebote gestärkt werden.

Dabei stehen im Fußball vor allem die Verbände und Vereine als gesellschaftspolitisch einflussreiche Akteure in der Pflicht, um sich entschieden gegen Antisemitismus im Fußball zu positionieren und zu engagieren. Präventionsarbeit gegen Antisemitismus ist eine Querschnittsaufgabe, an der unterschiedliche Akteur_innen in den jeweiligen Sozialräumen beteiligt sein müssen. Grundsätzlich ist die Präventionsarbeit im Fußball unabhängig von der Identifizierung antisemitischer Phänomene im eigenen Umfeld als fortlaufender Prozess politischer Bildung zu verstehen – als Teil der Vereinskultur.

 

Stärkung des Netzwerks

Schließlich leistet das Projekt einen Beitrag zur Aus- und Weiterbildung eines Netzwerks gegen Antisemitismus im Fußball. Die Teilnahme der Befragten und Kooperationspartner_innen an dem Projekt bildet gleichzeitig den ersten bzw. einen weiteren Schritt in dem Netzwerk, welches die wichtige Präventionsarbeit als fortwährenden Prozess der Demokratiebildung versteht. Durch die Vernetzung und Darstellung von Bildungsprojekten im Bereich des Fußballs in Niedersachsen wird ein Ideen- und Wissensaustausch befördert, welcher das Engagement auf Seiten der Professionellen und der Zivilgesellschaft stärken soll.

 

Handlungsempfehlungen zum Vorgehen gegen Antisemitismus im Fußball

Die 2021 erschienene Broschüre „Handlungsempfehlungen zum Vorgehen gegen Antisemitismus im Fußball“ richtet sich an alle Akteur_innen, die auf den unterschiedlichen Ebenen des Fußballs bei der Arbeit gegen Antisemitismus eine wichtige Rolle spielen – Verbände, Vereine, Spieler_innen, Fanprojekte, Fans und weitere Engagierte.

Die vorgestellten Handlungsempfehlungen sollen allen Beteiligten Möglichkeiten für ein Engagement aufzeigen und sie ermutigen, aktiv zu werden. Insbesondere sollen die bestehenden Netzwerke gegen Antisemitismus im Fußball und das zivilgesellschaftliche Engagement mit dem Projektergebnis gestärkt und handlungsfähig gemacht werden.

Download der Broschüre Handlungsempfehlungen zum Vorgehen gegen Antisemitismus im Fußball 

Bildungsangebote

Kooperationspartner_innen und Förder_innen

Für das Projekt kooperierten im Jahr 2020 die Gedenkstätte Bergen-Belsen und der World Jewish Congress, der das Projekt auch finanziell unterstützte.

 

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ mit Mitteln des BMFSFJ durch das Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen (L-DZ) und aus Mitteln des Niedersächsischen Justizministeriums durch das Landesprogramm für Demokratie und Menschenrechte sowie der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten gefördert.

Kontakt

Gedenkstätte Bergen-Belsen
Abteilung Bildung und Begegnung

Raimund Lazar, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Katrin Unger, Leitung

Tel.: +49 (0)5051 / 4759-0

E-Mail: bildung.belsen@stiftung-ng.de

www.bergen-belsen.de