Biografien von Opfern der Deportationen aus Nordwestdeutschland zwischen 1941 und 1945

Die Deportationen in die Vernichtungslager bildeten im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Abschluss einer radikalisierten Diskriminierung und Entrechtung. Das Ziel war eine nach rassistischen Kriterien „reine Volksgemeinschaft“. Nur wenige der Verschleppten überlebten den Massenmord.

Die Biografien der Opfer aus Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

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Transport Hannover – Riga 15. Dezember 1941

Norbert Kronenberg

aus Hannover

1908 - ?

Verfolgt als Jude

Gepäck
Koffer von Norbert Kronenberg, 2011. (Foto: LHH – Städtische Erinnerungskultur)

Norbert Kronenberg wurde am 4. August 1908 als Sohn von Amalie, geb. Nussbaum, (1880–?) und dem Kaufmann Max Kronenberg (1868–1922) in Hannover geboren. 1915 wurde er in die Oberschule (Lutherschule) eingeschult und war Mitglied der jüdischen Gemeinde. Nach der Schule erlernte er den Beruf des Radiotechnikers.

Am 7. Januar 1934 lernte er in Herford Elsa Rosenbaum (Jg. 1914) kennen und lieben. 1937 folgte die Verlobung. Am 12. März 1939 erhielt Elsa die Auswanderungsgenehmigung für Australien. Rund drei Monate später, am 4. Juni, verließ sie Deutschland über Bremen und reiste mit dem Dampfer „Aller“ nach Melbourne, wo sie am 23. Juli eintraf.

Norbert Kronenberg wurde am 15. Dezember 1941 gemeinsam mit seiner Mutter nach Riga deportiert. Ihre Spuren verlieren sich dort, die Todesdaten sind nicht bekannt.

Vor seiner Deportation nach Riga übergab Norbert Kronenberg seinem Arbeitgeber, dem Inhaber des Geschäftes „Radio Menzel“, einen Koffer mit für ihn wichtigen Gegenständen zum Aufbewahren. Es handelte sich vor allem um Bücher, die seine Interessen ablichten. Man erkennt, dass Norbert Kronenberg akribisch seine Familiengeschichte erforscht hatte, eine Erfolgsgeschichte des gesellschaftlichen Aufstiegs seit 1850. Darüber hinaus beschäftigte er sich intensiv mit der hannoverschen Stadtgeschichte und war ein Liebhaber der Straßenbahn. Seine Büchersammlung weist ihn als fest verankerten Bildungsbürger aus, der seinen Halt in der deutschen Sprache und Kultur fand. Der Koffer von Norbert Kronenberg konnte erstmalig im Jahr 2011 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Heute erinnert in der Deisterstraße 23 ein Stolperstein an Norbert Kronenberg.


Weiterführende Literatur:

Hans-Dieter Schmid und Karljosef Kreter (Hg.): Abgeschoben in den Tod. Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern am 15. Dezember 1941 nach Riga. Schriften zur Erinnerungskultur in Hannover, Heft 1, Hannover 2011

Autor: Landeshauptstadt Hannover – Städtische Erinnerungskultur
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