Biografien von Opfern der Deportationen aus Nordwestdeutschland zwischen 1941 und 1945

Die Deportationen in die Vernichtungslager bildeten im nationalsozialistischen Deutschland für verschiedene Bevölkerungsgruppen den Abschluss einer radikalisierten Diskriminierung und Entrechtung. Das Ziel war eine nach rassistischen Kriterien „reine Volksgemeinschaft“. Nur wenige der Verschleppten überlebten den Massenmord.

Die Biografien der Opfer aus Nordwestdeutschland zeigen den Prozess der stufenweisen Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Die prägnant gehaltenen Texte beantworten dabei nicht alle Fragen. Sie können aber als Ausgangspunkt für weitere Recherchen vor Ort dienen.

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Transport Hannover – Riga 15. Dezember 1941

Ruth Levy

aus Coppenbrügge

1911 - ?

Verfolgt als Jüdin

Frau
Ruth Levy als Schülerin im Atelier eines Fotografen (Sammlung Jürgen Holzapfel, Coppenbrügge)

Ruth Levy wurde 1911 in Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont geboren. 1933 zog sie nach Hannover, wo sie als Krankenschwester am Israelitischen Krankenhaus Ellernstraße arbeitete.

Spätestens seit 1940 betrieb Ruth Levy ihre Auswanderung. Ihr Ziel war Caracas in Venezuela. Aus bürokratischen Gründen verzögerte sich die Auswanderung über ein Jahr lang. Erst im Oktober 1941 prüfte ein Gerichtsvollzieher Ruths „Antrag auf Mitnahme von Umzugsgut“. Dessen Wert lag weit unter 1000 RM. Das Finanzamt genehmigte schließlich die „Verbringung der aufgeführten Sachen ins Ausland“.

Doch bereits im September 1941 musste Ruth Levy in das völlig überbelegte hannoversche „Judenhaus“ in der Brabeckstraße ziehen, zwei Monate später in ein Gewächshaus der ehemaligen jüdischen Gartenbauschule Ahlem. Dort war sie praktisch ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

In Ahlem erhielt Ruth Levy die Benachrichtigung zur „Wohnsitzverlegung“ in den Osten, zusammen mit der Aufforderung, eine „Vermögenserklärung“ vorzulegen. Ruth Levy trug unter „Barmittel“ „Hundertmark“ ein und schrieb unter „Verschiedenes“: „Ich soll am 18.11.41 ab Barcelona nach Venezuela fahren. Visum u. sonstige Papiere sind in Ordnung.“ Sie hatte die Hoffnung auf Auswanderung noch nicht aufgegeben. Doch am 15. Dezember 1941 wurde Ruth Levy in das „Reichsjudenghetto Riga“ deportiert. Dort soll sie eine Zeitlang in einer Sanitätsstation gearbeitet haben. Der Tag ihres Todes ist nicht bekannt.

 

Weiterführende Informationen
Website des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V.: Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont

Autor: Bernhard Gelderblom, Hameln
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